Was hat Diakonie mit dem Leben in unserer Kirchengemeinde zu tun?

Gutes Miteinander ist das beste Mittel gegen Einsamkeit und Isolation. Denn eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied - und eine Gemeinschaft kann nur Halt geben, wenn sich alle eingebunden fühlen. Deswegen haben wir aus unseren Erfahrungen in der kirchlich-diakonischen Arbeit zusammengetragen, was für ein gutes Miteinander in einem Jahr wie diesem wichtig sein könnte.

 

Wie können wir Menschen das Gefühl und das Wissen vermitteln, dazu zu gehören, die sich in ihren Nöten, Ängsten und auch Ärgernissen allein gelassen fühlen? Wie können wir erlebbar machen, was es heißt, in unserer unantastbaren Würde Gottes Ebenbild zu sein – in Worten und in Taten? Gibt es in unserer Gemeinde Menschen, die wahrgenommen, angesprochen oder eingeladen werden wollen? Wir hoffen, dass Sie bei den Praxisbeispielen Anregungen für Ihre Arbeit in den Kirchengemeinden finden und sind neugierig, wie Sie gutes Miteinander gestalten.

 
  • add Gutes Miteinander - Eindrücke aus dem Gemeindeleben zur Frage: Wo zeigt sich Diakonie in Kirchengemeinden?

    Es sind oft kleine Dinge, die wie Samen gesät werden und etwas Schönes wächst daraus…
    Stichworte und Stimmen von Diakoniebeauftragten und aus dem Gemeindediakonat:

    • Zeit zum Zuhören
    • Jemand macht Spaziergänge mit einer Seniorin, die sich einsam fühlt.
    • Reflexion im Besuchskreis: wie erlebe ich einen Besuch – was nehme ich wahr, was empfinde ich, welchem Aspekt möchte ich nachgehen?
    • Sensibilität wecken für die und den Nächsten neben mir, warum sie oder er sich so verhält, wie sie oder er sich verhält (oder kleidet oder redet oder …)
    • Menschen, die für andere einkaufen oder den Gottesdienst auf einem Speicherstick vorbeibringen und sich noch unterhalten.
    • Ich erlebe Diakonie oft in Tür- und Angelgesprächen. Nach der Kinderkirche unterhalte ich mich noch mit einem Elternteil: Der junge Mann erzählt, dass das Geld gerade knapp ist. Oft fällt mir dann eine Adresse oder ein Ansprechpartner ein und ich schreibe zu Hause eine Email mit den Kontaktdaten.
    • Eine Gruppe, die überlegt, wie man helfen kann, dass ältere Menschen zu Impfterminen kommen.
    • Mütter übernehmen während der Coronapandemie stundenweise die Betreuung der anderen (Klein-)Kinder, um sich freie Zeiten zu ermöglichen.
    • Zu- und Hinwendung zum ganzen Menschen (Körperliche Gesundheit, konkrete Lebensthemen bis hin zu Finanzen, Psyche und Spiritualität)
    • Angebote für Gruppen – Begegnung, Input, Austausch tut Geist und Seele gut und stabilisiert das Wohlergehen
  • add Gutes Miteinander: Best Practice - Beispiele zum diakonischen Wahrnehmen und Handeln in Kirchengemeinden und im Bezirk

    Ein Beispiel aus Gomaringen, wie aus einer Wahrnehmung ein konkretes Angebot entstehen kann: Ausländische Pflegekräfte in Deutschland (Text von Diakonin Anja Beck):

    Herzlich Willkommen in Deutschland

    Sie leben mitten unter uns und ohne Ihre Arbeit wäre der Pflegenotstand in Deutschland um einiges offensichtlicher und drängender. Viele Frauen und vereinzelt auch Männer, hauptsächlich aus osteuropäischen Ländern, arbeiten als Pflegekräfte in privaten Haushalten. Sie leisten damit eine Betreuung, die viele Familien aus eigener Kraft nicht schultern könnten. Sie gewährleisten Kontinuität und Ansprache, die tägliche Versorgung und Pflege von Menschen, die aus alters- und gesundheitlichen Gründen sonst nicht mehr selbstständig in den eigenen vier Wänden leben könnten.
    So nötig wir diese Menschen brauchen, so wenig tauchen sie in unserer öffentlichen Wahrnehmung auf. Sie leben und arbeiten an ihrer Einsatzstelle mit unterschiedlichster Aufenthaltsdauer.
    Aus diesem Hintergrund heraus und zum Teil aus eigener Erfahrung mit den Einsatzkräften entstand die Idee, ein Angebot zu schaffen, das den Betreuerinnen die Möglichkeit bietet, mit anderen ausländischen Pflegekräften in Kontakt zu kommen und eine kleine „Auszeit“ zu genießen. Da viele verschiedene Agenturen Arbeitskräfte vermitteln, wissen die einzelnen oft nicht voneinander, selbst wenn in der Nachbarschaft eine Kollegin tätig wäre.
    So wurde die Idee des „Café für ausländische Pflegekräfte“ in Gomaringen geboren.
    Das ökumenische Angebot findet viermal im Jahr statt. Im Mittelpunkt steht das Zusammenkommen, ein schöner Rahmen für das gemeinsame Kaffeetrinken und ein kurzes Programm. Durch die unterschiedlichste Aufenthaltsdauer und die vielen Wechsel ist nie sicher, wer und wie viele sich einladen lassen. Für das ehrenamtliche Team bleibt es spannend, wie das Angebot angenommen wird.
    Durch die Kontakte, die unter den Pflegekräften entstehen, kann der Aufenthalt in der Fremde und die Trennung von der Familie durch eine Unterhaltung in der eigenen Sprache und die Gastfreundschaft, die erfahren wird, erleichtert werden.
    Das Café ist eine Tür aus der Isolation und eine Brücke zu anderen bestehenden Angeboten.


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    Ein Beispiel aus Rottenburg, das zeigt, wie wertvoll die Beteiligung von Mitarbeitenden an den Gestaltungsprozessen im Vorfeld ist. Sie führt zu kreativen Lösungen, die von Vielen getragen werden. (Text von Diakonin Susanne Mehlfeld):

    Eindrücke aus der Vesperkirche in Corona-Zeiten

    Schon im Frühjahr 2020 war klar, dass die Vesperkirchenzeit 2021 anders gestaltet werden muss als in den Jahren davor. Im Mai gab es bereits die erste Videokonferenz unter den Vesperkirchenleitungen im Land. Manche Vesperkirchen hatten wegen Corona zu diesem Zeitpunkt schon einen Plan A, B und C im Blick. Beim Austausch wurde klar, dass jede Vesperkirche für sich einen Weg finden muss und es keine einfache Lösung für alle geben kann. Bevor wir in Rottenburg in die Planungen einstiegen, haben wir uns einen Abend lang Zeit genommen, um auf „unsere“ Vesperkirche zu schauen: Was brauchen und wünschen sich unsere Gäste? Welche Mitarbeitende haben wir? Wie sind unsere Voraussetzungen?
    Im September haben wir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu einem „Ständerling“ im Freien eingeladen, um unter anderem mit ihnen über die nächste Vesperkirchensaison ins Gespräch zu kommen. Wünsche, Befürchtungen und auch Ideen hatten ihren Platz. Mit all den Gedanken im Hinterkopf starteten wir mit konkreten Planungen – immer im Wissen, dass die Coronalage sich ständig ändern kann und dadurch unsere Vorbereitungen immer wieder angepasst werden müssen. Und so kam es dann auch. Wir wollten nie in Plan A, B und C denken, sondern Plan A ausarbeiten.
    Doch die Situation brachte es mit sich, dass nach Plan A ein Plan B folgte und ganz zum Schluss Plan C durchgeführt wurde. Immer wieder hielten wir beim Vorbereiten inne – schauten auf die neuen Gegebenheiten und die Möglichkeiten, die zu uns passen und umgesetzt werden können.
    Wie würden unsere Gäste darauf reagieren? Wir konnten nicht die Türen in gewohnter Art und Weise öffnen und die Gäste in gemütlicher Atmosphäre bewirten. Wir konnten „nur“ Vespertüten im Freien verteilen.
    Der Start war für alle Beteiligten spannend. Und so dauerte es ein paar Tage, bis sich alle in der neuen Situation eingefunden hatten. Wir gestalteten eine Vesperkirche nach unseren Möglichkeiten, die zu uns in Rottenburg passte: wir dekorierten, musizierten und füllten die Tüten mit viel Leckereien und manchen selbstgebastelten Überraschungen. Damit konnten wir unsere Gäste verwöhnen. Und auf Abstand war das ein oder andere Gespräch möglich. Auch die Mitarbeitenden genossen das Miteinander, das in diesen Zeiten so selten geworden ist.
    An dieses besondere Jahr werden wir uns noch lange erinnern – natürlich hoffen alle Beteiligten, dass im kommenden Jahr die Vesperkirche wie gewohnt wieder ihre Türen öffnen und die Gäste mit einem mehrgängigen Menü verwöhnen kann.


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    Das Diakonische Werk Tübingen hat die Brillenaktion wieder neu aufgelegt: Wir wollen, dass Sie sehen können (Text von der Ehrenamtskoordinatorin Anne Judersleben und Esther Peylo):

    Das Kleingedruckte in Verträgen und beim Einkauf lesen oder die Straße sicher überqueren können – ohne Brille ist das für viele nicht zu schaffen. Da die gesetzlichen Krankenkassen allerdings nur bei sehr schweren Sehbeeinträchtigungen und Erkrankungen des Auges lediglich Zuschüsse in Höhe von ca. 20,- € vorsehen, können sich bedürftige Menschen mit Sehproblemen eine passende Brille in der Regel nicht leisten. Deshalb hat das Diakonische Werk Tübingen die Brillenaktionen von 2014 und 2018 noch einmal neu aufgelegt, bei denen insgesamt 125 Menschen einen Zuschuss von durchschnittlich 130,- € zu einer neuen Brille erhielten. „Unsere Aktion „Wir wollen, dass Sie sehen können“ ist in Tübingen sehr gut angekommen und wir freuen uns, dass wieder neue Spenden dafür eingegangen sind. So können wir auch in Corona-Zeiten dranbleiben und Menschen zum Durchblick verhelfen“, freut sich die Initiatorin Cornelia Weber, die bis Ende 2020 bis zu ihrem Ruhestand Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Tübingen war.
    Informationen und Anträge zu der Brillenaktion – möglichst sollte auch ein Eigenanteil übernommen werden - gibt es in der Regel bei der Sozial- und Lebensberatung, aber auch die Schuldnerberatung und Flüchtlingsarbeit sind eingebunden. So konnte sich erst kürzlich eine Bewohnerin der Erstaufnahmeeinrichtung für besonders schutzbedürftige Personen mit Hilfe der Brillenaktion eine Brille kaufen. Ihre Sehschärfe ist nicht in dem Maße beeinträchtig, als dass die Brille mit entsprechenden Geldern des Asylbewerberleistungsgesetz hätte gekauft werden können. Da die Bewohner*innen in Erstaufnahmeeinrichtungen aufgrund des Sachmittelprinzips lediglich eine Taschengeldauszahlung erhalten, ist es dieser Frau nicht möglich gewesen, die Kosten für die Brillenanschaffung vollständig selbst zu übernehmen. Mit einem Zuschuss aus der Brillenaktion und der – besonders sprachlichen - Unterstützung von Ehrenamtlichen war es jedoch möglich, gemeinsam beim Optiker einen Kostenvoranschlag einzuholen und die passende Brille zu finden. Die enge Vernetzung und gute Zusammenarbeit des Teams der Sozial- und Lebensberatung mit der Sozialarbeiterin der Flüchtlingsarbeit sorgt im Diakonischen Werk Tübingen also nicht nur für eine reibungslose, unkomplizierte und unmittelbare Unterstützung von mittellosen und in Not geratenen Menschen, sondern auch für eine passgenaue und effektive Verwendung der Spendengelder der Aktion „Wir wollen, dass Sie sehen können“.

  • add Arbeitshilfe: Gruppenstunde zum Thema Diakonie
  • add Hilfsangebote im Landkreis Tübingen
  • add Textbausteine: Verlinkung der Gemeinde-Homepage mit dem Diakonischen Werk Tübingen (DWT)

    Angebote des Diakonischen Werkes zum Thema Sozial- und Lebensberatung, Kurberatung, Migration und Flüchtlingsarbeit finden Sie unter dem entsprechenden Link. Melden Sie sich gerne – Sie sind willkommen!

    Bei Überschuldung finden Sie Unterstützung bei der Schuldnerberatung.

    Bei Suchtproblemen finden Sie Unterstützung bei der Suchtberatungsstelle.

    Die Diakoniestation Tübingen bietet Leistungen rund um das Thema Pflege an. Hier finden Sie Informationen und Kontaktdaten zur Diakoniestation.

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Diakonie Tübingen