01.03.21

Klinikseelsorgerin geht

Pfarrerin Gisela Schwager, Seelsorgerin in der Kinderklinik in Tübingen wechselt zum 1. März ins Gemeindepfarramt nach Gerlingen

Nach elf Jahren wechselt Pfarrerin Gisela Schwager von der Kinderklinik in Tübingen ins Gemeindepfarramt nach Gerlingen. Ihre Schwerpunkte bleiben Kinder- und Jugendarbeit.

„Ich bin sehr glücklich, dass es so eine Stelle gibt. Denn die Spiritualität der Familien und ihrer Kinder liegt mir sehr am Herzen“, sagt die scheidende Seelsorgerin. Die Arbeit im interdisziplinären Team der Kinderklinik sei für sie eine große Bereicherung. Miteinander im Gespräch sein, ganz besonders, wenn es schwer ist, sei der wichtigste Baustein in der Seelsorgearbeit mit chronisch und schwerkranken Kindern und ihren Familien. Oft müsse man mit den Betroffenen aushalten, was nicht auszuhalten sei. Die Ohnmacht, wenn Kinder leben wollen und trotz Gebete sterben. Die Not und das Leid der Familien stelle alle Beteiligten vor existenzielle Fragen nach Gott und nach Kraftquellen. „Ich bin für den Rahmen zuständig und für die Begleitung“, sagt die 59-jährige. Sie sei dankbar für die Unterstützung seitens der Klinik, auch bei allerlei „Schrägheiten“, die sie sich gemeinsam mit den Betroffenen ausdenke, um den schwerkranken Kindern oder Geschwistern Wünsche zu erfüllen und „Auszeiten“ möglich zu machen.

Zentral seien die regelmäßigen Familiengottesdienste in der Klinik und die besonderen Gottesdienste: im Herbst für Angehörige als Erinnerung an die verstorbenen Kinder, einmal im Jahr für Mitarbeitende zur Erinnerung und Auftanken. Denn das Klinikpersonal werde täglich mit schweren Schicksalen konfrontiert und müsse diese verarbeiten. Auch dafür sei die Klinikseelsorge da. Am zweiten Sonntag im Dezember findet bundesweit ein Candlelight Gottesdienst für verwaiste Familien statt, in Tübingen in Zusammenarbeit mit der Eberhardsgemeinde.

Die Arbeit mache sprachfähiger und aufmerksamer. Es gehe um den Augenblick und um das Jetzt. Es gebe auch viel Schönes, berichtet die Seelsorgerin. Sie erlebe auch Wunder und Freude. Es werde auch viel gelacht. Das Schöne und das Schwere liegen dicht beieinander. Sie spüre immer wieder Gottes Wirken in der Liebe und den Gesten, die die Eltern ihren Kindern und umgekehrt schenken.

Während ihrer Tätigkeit an der Kinderklinik beteiligte sich Gisela Schwager an einer Studie zum Thema Gottesdienst und Familienspiritualität, hospitierte in diversen Kliniken in Boston und New York und schließt demnächst mit einem Master für Seelsorge für Kinder und Jugendliche an der Kinderklinik in Birmingham ab. Sechs Jahre war sie Sprecherin der EKD- Konferenz der Kinderklinikseelsorgenden. Auch diese Erfahrungen nehme sie mit in ihre neue Aufgabe.

Die Verabschiedung durch Dekanin Elisabeth Hege fand am 24. Februar in einem kleinen Rahmen in der Kinderklinik in Tübingen statt.

 

Pfarrerin Gisela Schwager mit dem Abschiedsengel