02.06.20

Pressemitteilung 02.06.2020

Evangelischer Kirchenbezirk Tübingen tritt dem Seenotrettungsbündnis "United 4 Rescue" bei.

Der Evangelische Kirchenbezirk Tübingen ist dem Seenotrettungsbündnis „United 4 Rescue“ beigetreten. Dies hat der Kirchenbezirksausschuss im Mai 2020 auf Initiative der Bezirkssynode beschlossen. Der unabhängige, gemeinnützige Trägerverein von „United 4 Rescue“, Gemeinsam retten e.V., koordiniert seit November 2019 Bemühungen um die zivile Seenotrettung für geflüchtete Menschen auf dem Mittelmeer. Viele Kirchengemeinden, Landeskirchen und Diakonischen Werke sind bereits dem Bündnis beigetreten, im Kirchenbezirk Tübingen bisher die Evangelischen Kirchengemeinden Dettenhausen und Rottenburg.

„United4Rescue ist ein Zeichen, das mich stolz macht – auch weil es von so vielen Institutionen aus meiner Region mitgetragen wird“, sagt der in Rottenburg lebende Kapitän Friedhold Ulonska, der seine Erfahrung auf See schildert: „Ich habe bis jetzt zehn Rettungsmissionen auf dem zentralen Mittelmeer gefahren und musste erleben, dass sich die Regierungen Europas immer Neues einfallen ließen, um uns von unserer Arbeit – der Rettung von Menschen aus Lebensgefahr – abzuhalten. Gott sei Dank ist diese tödliche Haltung nicht die Haltung der Menschen in Europa. Von den Bürgerinnen und Bürgern habe ich immer sehr viel Unterstützung erlebt.“

Ines Fischer, Asylpfarrerin der Prälatur Reutlingen, sieht das Bündnis daher auch als Protest gegen politische Versäumnisse: „Ich erlebe es in meiner alltäglichen Arbeit, dass die Situation von Geflüchteten an den europäischen Außengrenzen immer wieder thematisiert werden muss. Es ist beschämend, wie die Europäische Union hier agiert. „United 4 Rescue“ ist ein Bündnis, das dieser Politik etwas entgegensetzt und so für menschenwürdiges Handeln steht: Menschen auf der Flucht sollen gerettet werden – es ist ein Verbrechen, sie ertrinken zu lassen.“

Ein starker Impuls für das Bündnis war der Entschluss der Synode der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD) im vergangenen Jahr, ein Seenotrettungsschiff zu kaufen und sich aktiv an der Seenotrettung im Mittelmeer zu beteiligen. Mit Beteiligung der EKD hat „United 4 Rescue“ die Spendensammlung für ein solches Seenotrettungsschiff gestartet. Ende Januar wurde das ehemalige Kieler Forschungsschiff Poseidon für diesen Zweck erworben und umbenannt: „‘Unser‘ Schiff – die Sea-Watch 4 – wird in wenigen Wochen auslaufen können, so Kapitän Ulonska: „Ich freue mich darauf und hoffe, bald selbst an Bord sein zu können!“

Nachdem der Landkreis Tübingen ebenfalls im Mai dem Bündnis „Städte Sicherer Häfen“ für Flüchtlinge beigetreten ist, erinnert Cornelia Weber, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Tübingen, daran, dass die geretteten Menschen auch eine sichere Bleibe und eine Perspektive benötigen: „Die Beteiligung an der zivilen Seenotrettung ist eine Möglichkeit , Menschlichkeit und Hilfe für schutzbedürftige Personen zu zeigen und damit ein christliches Menschenbild zu leben. Daher unterstützen und befürworten wir als Diakonisches Werk Tübingen den Beitritt des Evangelischen Kirchenbezirks Tübingen zum Bündnis United 4 Rescue“.

Frithjof Rittberger, Bezirksdiakoniepfarrer, und Cornelia Weber, Geschäftsführung Diakonisches Werk Tübingen

Kontakt für Rückfragen: Pfarrer Frithjof Rittberger, frithjof.rittberger@elkw.de; Tel. 07071/73458