04.04.20

Hoffnung oder fake news

Ein Impuls von Dr. Klaus-Dieter Nikischin, Pfarrer an der Albert-Schweitzer-Kirche in Tübingen.

„Hosianna!“ heißt „Hilf doch!“ Um Hilfe rufen zurzeit Kranke und Infizierte, aber auch das Personal in den Krankenhäusern. Um Hilfe rufen Einsame und Isolierte, aber auch überlastete Angestellte in systemrelevanten Berufen. Um Hilfe ruft, wer um die berufliche Existenz bangt und sich Sorgen um die Zukunft macht. Um Hilfe rufen so viele Notleidende, von Kriegen, Gewalt und Elend Bedrohte rund um den Globus.

„Hosianna!“ riefen sie auch, als Jesus damals mit seiner Pilgergruppe die Stadt Jerusalem erreichte. Daran erinnert der Palmsonntag. Menschen jubelten ihm zu, winkten mit Palmzweigen, legten ihm ihre Kleider als Teppich auf die staubige Straße. Und sie riefen „Hosianna!“, „Hilf doch!“ Jesus war der gefeierte Hoffnungsträger, der Mann der Stunde. Sie sahen bereits den „Sohn Davids“, den neuen König in ihm. Er sollte Jerusalem und ganz Israel von der brutalen Römerherrschaft befreien.

Eine enttäuschte, eine falsche Hoffnung? Wenige Tage später war der Gefeierte bereits tot. Ausgeliefert von einer opportunistischen Obrigkeit, gefoltert und hingerichtet von der römischen Besatzungsmacht. Die Enttäuschung machte sich besonders im engsten Anhängerkreis breit. Niedergeschlagene Jünger machten sich hängenden Kopfes auf den Heimweg nach Emmaus. Andere schlossen sich verängstigt in ihren Unterkünften ein. Nur ein paar Frauen wagten sich am Morgen nach der Sabbatruhe ans Grab, um den Leichnam einzubalsamieren.

Und dann das Wunder der Auferstehung: Sie begegnen Jesus auf neue Weise. Sie erleben seine Nähe in bisher ungekannter Art. Angst und Niedergeschlagenheit sind wie weggeblasen. Die eben noch bedrückten und mutlosen Jüngerinnen und Jünger sind nicht wiederzuerkennen. Mit Mut, Zuversicht und Hoffnung machen sie sich neu auf den Weg.

Liegt darin Hoffnung für heute? Ich glaube, ja! Die selbsternannten Männer der Stunde werden zusehends entzaubert. Ehemals gefeierte Hoffnungsträger wissen ihren Völkern nicht zu helfen. Jesus wurde ebenfalls gefeiert. Doch bewusst hat er die in ihn gesetzten Hoffnungen enttäuscht, einen Aufstand gegen die Römer anzuführen. In seiner konsequenten Gewaltlosigkeit ist er selbst ein Opfer von Missgunst, Machtkalkül und Gewalt geworden. Damals ist Hoffnung aufgekommen, eine Hoffnung, die bis heute trägt. Helfen kann allein die Liebe, die sich hingibt: die freie Gottesliebe, die in der Menschenliebe lebt.