05.09.20

Impuls: "Heureka! - Ich hab's!"

Ein Impuls von Hanna Hartmann, Pfarrerin der Evangelischen Martinsgemeinde Tübingen.

Im Badezuber saß Archimedes (ca. 288 - 212 v. Chr.), als ihm die Lösung einer kniffligen mathematischen Aufgabe einfiel. „Heureka!“ rief er begeistert und lief splitternackt nach Hause, um seinen Einfall schnell festzuhalten. So erzählt es die Anekdote.

Sir Isaac Newton (1642-1726) hingegen bevorzugte den Garten, um sich zu entspannen. Als ihm beim Mittagsschläfchen ein Apfel auf den Kopf fiel, kam ihm ein Geistesblitz, der zu einer der größten Entdeckungen in der Physik führen sollte: dem allgemeinen Gesetz der Schwerkraft. Der Apfel ließ ihn aufspringen und überglücklich sein „Heureka!“ rufen.

Auch von dem berühmten Mathematiker Carl Friedrich Gauß wird erzählt, dass er auf einer Überlandfahrt 1796 sein „Heureka-Erlebnis“ der Glockenkurve gehabt habe. Vielleicht ist es eine Legende, vielleicht auch nicht…

Baden, Schlafen, Reisen – allesamt auch Urlaubserfahrungen. Großen Entdeckungen scheinen sie jedenfalls nicht im Weg zu stehen. Eher im Gegenteil: da bekommt der Kopf Platz für neue Gedanken und klart sich auf für Geistesblitze.

Gute Gedanken und Ideen brauchen eben nicht nur einen Schreibtisch mit PC oder ein Labor. Sie brauchen auch einen Freiraum, in den sie einfallen und wo sie landen können. Die Ferien mit ihren Unternehmungen, mit Wandern und Schlafen sind so ein Freiraum für den Geist. Es müssen ja nicht gleich die großen Entdeckungen für die Menschheit sein, die einen aufmerken oder gar aufspringen lassen. Es tut schon gut, manches Alltägliche mit etwas Abstand oder in einem anderen Blickwinkel zu sehen. Und es wieder ins Verhältnis zum Ganzen zu setzen. Oder um es mit Novalis zu sagen: „Wenn man einen Riesen sieht, so untersuche man erst den Stand der Sonne und gebe acht, ob es nicht der Schatten eines Zwergs ist.“

Auch wenn die große Urlaubs- und Ferienzeit bald zu Ende geht – hoffentlich gelingt es uns, im Alltag genügend Freiräume für den Geist zu halten und zu schaffen. Ob in der Badewanne oder im Schwimmbad, auf Wander- und Radwegen, beim Beten oder Sitzen in der Stille, oder während einer Mittagsruhe im Garten. Wer weiß: Vielleicht wartet da hinter der Hecke auch ein „Heureka!“ und ein Glückssprung!?! Das Potential zu einer Überraschung steckt in (fast) allem. Und wie es in der Bibel heißt, selbst im Schlafen: „Den Seinen gibt es Gott im Schlaf.“ (Psalm 127,2)