07.12.19

Mit Licht geht es besser

Ein Impuls von Tilman Just-Deus, Pfarrer in Rottenburg.

„Mist, mein Licht am Fahrrad ist futsch!“ Normalerweise ist die vorschriftsmäßige Beleuchtung an ihren Drahteseln meinen Kindern ziemlich egal. Doch jetzt, wo es morgens noch lange und abends schon früh dunkel ist brauchen sie ein Licht, um sicher durch die Dunkelheit zu kommen.

Eine andere Dunkelheit steht hinter der Bitte, die wir im 43. Psalm lesen: „Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten zu deiner Wohnung“. Der Beter des Psalms durchlebte dunkle Zeiten. Die Anfechtungen und Bedrohungen seiner Dunkelheit sind vermutlich andere als die unseren. Dennoch können wir ihn gut verstehen, wenn er von den Feinden spricht, die sein Leben schwer machen und bedrohen. Ein unlösbar erscheinender Streit, Stress und Überforderung, eine schwere Krankheit, die drohende Firmenpleite, Leere und Depression – all dies verdunkelt unsere Tage.

In dunkeln Zeiten brauchen wir ein Licht, das die Dunkelheit unserer Tage erhellt, das einen Weg sichtbar macht, den ich gehen kann, das Perspektiven aufleuchten lässt. Oft fühlen wir uns gefangen in der Finsternis unserer Situation. Wenn ich nachts nicht schlafen kann, weil Sorgen mich umtreiben, dann werden sie übergroß, nehmen Dimensionen an, die mich mutlos machen.

Vermutlich hat der Psalmbeter auch solche Nächte erlebt. Aber er gibt sich nicht dem schicksalhaft Anmutenden seiner Situation hin. Er fordert von Gott sein Recht, klagt ihm seine Not und bittet um sein Eingreifen: „Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten zu deiner Wohnung!“ Der Psalmbeter gesteht sich und Gott seine Rat- und Machtlosigkeit ein, das ist sein Schritt heraus aus der Dunkelheit. Er vertraut darauf, dass Gott kommt, dass er sein Licht und seine Wahrheit sendet, damit er, der Mensch in der Dunkelheit seiner Tage, wieder Tritt fassen kann.

Im Advent kommt uns Gott entgegen. Die Lichter, die wir in diesen Tagen entzünden erinnern uns an das große Licht, das von Gott her in unsere Dunkelheit hineinkommt, das uns leuchtet, das wir aber auch weitergeben und teilen können um anderen diese tröstliche Perspektive zu geben: Gott kommt in unsere Finsternis und macht es licht um uns. Das ist die Botschaft des Advents, das ist das Wunder von Weihnachten. Und ich will an diesem Wunder festhalten, will mich nicht beirren lassen und es – wie der Psalmbeter – von Gott einfordern: Sende dein Licht in meine Tage, in mein Leben, in unsere Welt!