08.02.20

Keine Ausgrenzung

Ein Impuls von Tilman Just-Deus, Pfarrer in Rottenburg.

Es sind aufgeregte politische Zeiten. Was in Thüringen geschehen ist, erregt das ganze Land. Da versuchen als Biedermänner getarnte oder auch offen als Brandstifter auftretende faschistische Kräfte über die Hintertür ein Land zu vereinnahmen. Andere lassen dies sehenden Auges zu oder sind so naiv, dass jene, die Menschen ausgrenzen und Hass sähen wollen ein leichtes Spiel haben und sich feixend über deren Dummheit lustig machen. Thüringen hat aber auch ein Gutes: Es gab und gibt einen breiten Protest, dass die überwältigende Mehrheit im Land unsere Gesellschaft anders gestaltet und geprägt haben will: Keine Ausgrenzung, keine Menschenverachtung, kein an den Rand drängen von Schwachen und Minderheiten.

Es ist wichtig, dass wir diese Zeichen in unserer Gesellschaft setzen. Es ist notwendig, dass wir deutlich machen, wie wir miteinander leben wollen – denn sonst kommen jene, die ganz anderes im Sinn haben und lassen uns keine andere Wahl mehr. Zeichen der Solidarität, des gesellschaftlichen Zusammenhalts sind wichtig. Es ist gut, dass es gerade in diesen Zeiten Orte gibt, an denen Menschen erfahren dürfen, dass es viele sind, die eine offene, einladende, menschenfreundliche und barmherzige Kultur in unserer Gesellschaft wollen.

Bei uns wird das derzeit in unseren Vesperkirchen deutlich. Sie sind Orte, an denen Menschen nicht ausgegrenzt werden, an denen Herkunft und sozialer Stand keine Rolle spielen, wo Menschen ganz unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen miteinander am Tisch sitzen, gemeinsam essen, miteinander reden und sich freundlich begegnen. Vesperkirchen sind keine Dauereinrichtung. Sie sind ein Angebot auf Zeit in der kalten Jahreszeit. Sie sind ein Modell, das deutlich macht, wie unser gesellschaftliches Zusammenleben nach Gottes Willen geprägt sein soll. Als Miteinander und nicht als Gegeneinander.  Anteilnehmend und nicht gnadenlos. Liebevoll und nicht hasserfüllt.

Die Vesperkirchen geben weiter, wie Jesus selbst den Menschen begegnet ist: Annehmend, verstehend, zuhörend, solidarisch. In der Bibel begegnen uns unzählige Beispiele, bei denen das gemeinsame Mahl bei ihm die Menschenfreundlichkeit Gottes und seinen Willen des Umgangs untereinander zum Ausdruck bringen. Die Vesperkirchen sind darum erfahrbares Evangelium, gelebte Verkündigung, sichtbares Zeichen dafür, dass Gott keinen ausgrenzt, dass jede und jeder willkommen ist.