10.11.19

Das deutsche Datum

Ein Impuls von Uwe Braun-Dietz, Pfarrer an der Martin-Luther-Kirche Mössingen (Trägerkreis der Friedensdekade).

Wohl kein anderes Datum steht so symbolisch für die Geschichte Deutschlands im letzten Jahrhundert wie der 9. November. 1918 - Abdankung Wilhelms II. und Ende des 1. Weltkriegs; 1923 - Hitlerputsch in München; 1938 - Reichspogromnacht; 1989 - Mauerfall.
Dieser Tag steht damit gleichzeitig für das Ende der Monarchie, für Diktatur und für den Sieg der Demokratie. Er steht für Finsternis wie Licht, für Terror, Hass und Krieg einerseits und Freiheit und Friede andererseits. Die großen Schicksalspunkte in der Geschichte unseres Landes lassen sich direkt oder indirekt mit diesem Datum verbinden.
Das, was war, ist jedoch nicht einfach vorbei. Es hat unmittelbar mit uns Heutigen zu tun. Unsere Geschichte zeigt uns, warum wir so geworden sind wie wir sind und hilft uns, die Zukunft richtig zu gestalten. Gerade in einer Zeit, in der Hass und Geringschätzung Anderer wieder zunehmen, wo platte Parolen wieder salonfähig und Populisten erfolgreicher werden, wird solch ein Datum wie der 9. November umso wichtiger. Denn dieser Tag zeigt uns, wohin solche Wege führen: zu Zerstörung und Tod. Umgekehrt malen uns die tanzenden Menschen auf der Berliner Mauer vor dreißig Jahren unverlierbar vor Augen, wie kostbar und wertvoll Freiheit und Demokratie sind.
Unsere Kirchen gedenken seit vielen Jahren des 9. Novembers. Sie rufen damit in der Nachfolge Jesu zum Frieden und zur Versöhnung auf. Sie setzen Zeichen gegen Hass und Gewalt und für Gerechtigkeit und Solidarität im Sinne des biblischen Friedens, des Schalom Gottes.
Gerade die ökumenische Friedensdekade, die wieder wie in jedem Jahr an diesem Wochenende beginnt und bis zum Buß-und-Bettag am 20. November dauert, will solche Zeichen setzen. Weit über 30 Veranstaltungen laden allein im Kreis Tübingen ein, über den Frieden, über uns und über Gottes Wege nachzudenken. Das diesjährige Motto „friedensklima“ nimmt dabei sowohl die globale Klimakrise mit ihren Folgen auf, als auch unseren zwischenmenschlichen Umgang miteinander.
In Vorträgen, Konzerten, Gottesdiensten usw. stecken viele Impulse für jeden drin, sich zum Frieden und zur Versöhnung aufzumachen und darin auf den Spuren Jesu zu wandeln. „Selig sind, die Frieden stiften,  denn sie werden Gottes Kinder heißen.“, sagt er in der Bergpredigt (Mt 5,9). Und wenn ein Tag wie der 9. November dazu hilft, Gottes Kind zu heißen, dann kann man ihn nicht hoch genug achten.