11.01.20

Was aber bleibt?

Ein Impuls von Angela Schwarz, Leitende Jugendreferentin beim CVJM Tübingen.

An diesem Samstag sind sie wieder im Landkreis unterwegs: die fleißigen Christbaum-Abholerinnen und Abholer. Im Stadtgebiet Tübingen sind es allein mehr als 90 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des CVJM Tübingen, die die ausgedienten Weihnachtsbäume einsammeln und nach Dußlingen bringen. Denn der schönste Baum muss einmal weg. Was bleibt eigentlich übrig von Weihnachten außer ein paar letzter Tannennadeln, die sich unter dem Teppich verstecken? Der Weihnachtszauber findet mancherorts ein schnelles Ende. Und alles ist wie vor dem Fest: Termine, Aufgabenlisten, Verpflichtungen. Der Alltag ist zurück. Ja, ist denn da nichts was bleibt?

Ich habe ein altes irisches Weihnachtslied gefunden, das diese Frage vielleicht beantwortet:
„Wenn der Gesang der Engel verstummt ist, wenn der Stern am Himmel untergegangen, wenn die Könige und Fürsten heimgekehrt, die Hirten mit ihrer Herde fortgezogen sind, dann erst beginnt das Werk von Weihnachten: Die Verlorenen finden, die Zerbrochenen heilen, den Hungernden zu essen geben, die Gefangenen freilassen, die Völker aufrichten, den Menschen Frieden bringen, in den Herzen musizieren.“ (Verfasser unbekannt)

Weihnachten ist kein Happening, das nach vierzehn Tagen endet. Weihnachten ist eine ganzjährige Aufgabe. Denn an Weihnachten feiern wir die Menschwerdung Gottes. Die Bibel erzählt uns von diesem Mensch gewordenen Gott, von Jesus. Sie erzählt von seiner Liebe und Hingabe, die uneingeschränkt gilt und keine Grenzen kennt. Weder räumlich noch zeitlich. Jesus wendet sich dem Mann am Wegesrand zu, an dem jeder vorbeihastet. Er sucht das Gespräch mit der Frau am Brunnen, die von allen gemieden wird. Er kümmert sich um Privilegierte und nicht Privilegierte, Übermutige und Mutlose, Aufsteiger und Absteiger…

Weihnachten ist eine ganzjährige Aufgabe. Nicht, weil man es so macht. Und nicht, weil es sich so gehört. Sondern weil Gott für mich Mensch wurde, werde ich Mensch*in für andere. Ich höre zu, ich ermutige, ich unterstütze, ich tröste. Ich bin da, wenn ich gebraucht werde. Ich weiche nicht aus, wenn man mich fragt. Ich schaue hin und schreite ein, wo Unrecht geschieht. Ich teile, was ich habe. Denn ich bin reich beschenkt und habe mehr als genug. Mit dieser Perspektive und Haltung im Alltag unterwegs stelle ich erstaunt fest: Teilen macht mich nicht ärmer, sondern reicher. Was also bleibt? Eine ganze Menge.