11.01.21

Das Saxophon soll wieder zum Einsatz kommen

Der Tübinger Pfarrer Ulrich Zeller wurde nach 24 Jahren in der Stephanusgemeinde von Dekanin Elisabeth Hege in Ruhestand verabschiedet.

Tübingen. „Es fällt mir schwer von meinen „Schätzles“ Abschied zu nehmen“, sagt Pfarrer Ulrich Zeller mit etwas Wehmut in der Stimme und zählt auf: die Kirchengemeinderät*innen, die Hochzeitspaare, die Gemeindemitglieder, die Jugendkreismitarbeitende, Konfirmandinnen und Konfirmanden, „sie werden mir fehlen.“ Und viele davon nahmen teil am bunten und fröhlichen Verabschiedungsgottesdienst zu Ehren ihres Pfarrers. Nach 24 Jahren in der Tübinger Stephanusgemeinde wurde Zeller am 10. Januar 2020 in zwei coronaconfomen Gottesdiensten von Dekanin Elisabeth Hege von seinen Aufgaben entbunden und in den Ruhestand verabschiedet.

Von den Umweltthemen der 90er Jahre bis zu Fragen der Geschlechtergerechtigkeit der Gegenwart, so könnte die Spanne von 24 Jahren beschrieben werden. „Damals ging es vor allem um die Umweltthemen, heute bin ich dankbar, dass wir es geschafft haben uns der Initiative „Regenbogengemeinde“ anzuschließen, die sich für die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare einsetzt“. Eine erfreuliche Entwicklung, die er sich zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn hätte nicht vorstellen können. Mit den Menschen als Christinnen und Christen auf dem Weg zu sein, sieht Pfarrer Zeller als die zentrale Aufgabe seiner Arbeit. Persönliche Begegnungen, Gespräche, Jugend- und Konfirmandenarbeit und vor allem die Gottesdienste und die Musik, „das ist das Herzstück meiner Arbeit gewesen.“  Die Ostergottesdienste, die er gemeinsam mit seiner Frau Susanne gestaltete, gehören für Zeller zu den schönsten Erlebnissen. Eine zentrale Veranstaltung nicht nur im Terminkalender, sondern die Mitte seines Glaubens. Die Musik sei nicht nur in seiner Arbeit ein wichtiger Schwerpunkt, sondern auch ein Teil seiner Spiritualität. Wenn es schwer ist, setze er sich ans Klavier und spiele ein paar Choräle. Aber auch sonst sei die Musik eine Quelle, aus der er eine große Kraft schöpfe. „Den Tag mit einem Morgenlied zu beginnen und mit einem Abendlied abzuschließen, das tut gut“. Und das will er jetzt, wo er mehr Zeit haben wird, ausbauen. Das Saxofon, das nun zu lange in der Kiste ruhe, solle wieder zum Einsatz kommen.

Der Reichtum und die Vielfalt des Wirkens von Ulrich Zeller war beim Abschiedsgottesdienst deutlich zu spüren. In zwei aufeinander folgenden Gottesdiensten war viel dabei: Musik des Tübinger Vokalensembles, bunte Geschenke und eine persönliche Predigt zum aktuellen Wochenspruch: „Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder“. Sich nicht von den eigenen Machtvorstellungen, sondern vom guten Geist treiben zu lassen, das sei die einzige Möglichkeit, eine friedliche und gerechte Zukunft zu gestalten, so Pfarrer Zeller. Dekanin Elisabeth Hege und Angelika Pflugfelder, die 1. Vorsitzende des Kirchengemeinderats sprachen Worte des Abschieds und des Danks. Auf weitere Grußworte musste verzichtet werden. Im Kirchenbezirk Tübingen hatte Pfarrer Zeller jahrelang die Bezirksämter Kämmerer und Kirchenmusik inne.

„Vor einem Jahr haben wir mit den Vorbereitungen begonnen, da war alles noch so weit weg. Ich konnte es mir gar nicht vorstellen, in den Ruhestand zu gehen,“ sagt Pfarrer Zeller. Doch inzwischen, auch nach den Erfahrungen des letzten Jahres, freue er sich auf den neuen Lebensabschnitt und schaut dankbar und erfüllt zurück. Das poppige, regenbogenfarbene Bild der Stephanusgemeinde von Claudia Wingenfeld, das die Zellers unter Anderem zum Abschied geschenkt bekamen „macht Spaß und wird einen Ehrenplatz erhalten.“ Rottenburg wird ihre neue Heimat werden

 

Das poppige, regenbogenfarbene Bild der Stephanusgemeinde von Claudia Wingenfeld bekamen die Zellers als Abschiedsgeschenk

Dekanin Elisabeth Hege segnet das Ehepaar Susanne und Ulrich Zeller