11.07.20

Zuversicht in schwerer Zeit

Ein Impuls von Pfarrerin i.R. Monika Schnaitmann, Tübingen.

„Geh aus, mein Herz, und suche Freud‘ in dieser lieben Sommerzeit“ – es gibt viele Menschen, die dieses Lied besonders lieben in diesen sonnigen Monaten, in denen die Natur grünt und blüht. Der Urlaub steht vor der Tür.
Doch in diesem Jahr ist das ja alles anders. Wie viel Gemeinschaft ist zurzeit nur digital oder auf Distanz möglich! Wie viele Pläne – auch Urlaubspläne - können nicht verwirklicht werden! Und dann so ein fröhliches Sommerlied! Passt das überhaupt in diese Zeit?

Ich bin der Meinung: es passt! Nicht, weil ich das Schlimme nicht sehen will, sondern weil das Lied gerade auch um das Schlimme weiß. Der Dichter, Paul Gerhardt, hatte die Grausamkeiten des Dreißigjährigen Krieges erleben müssen. Und als ob das noch nicht genug wäre, brach in dieser Zeit auch noch die Pest aus. Das Kirchenamt musste eigene Sterbebücher für die Pest anlegen, so viele Tote gab es.
Einer, der all das überstanden hat, stimmt ein Loblied auf Gottes Schöpfung an. Das kann keine oberflächliche Vertröstung sein. Ich höre darin vielmehr die Weisheit eines Menschen klingen, der viel vom Leben und Sterben weiß. Er hat sich den Blick bewahrt für die Schönheit der Schöpfung: die bunten Blumen mit ihrem je eigenen Duft, die Insekten und die Tiere in Wald und Feld und Haus und Hof. Die ganze Natur kündet vom Glück des Lebens und von der Freude. Das Lied ermutigt dazu, die Freude zu suchen – dazu muss man die Augen öffnen, sich umschauen. Und kann dann hoffentlich die Schönheit sehen, die uns umgibt – auch in Zeiten, in denen so vieles andere meinen Blick gefangen nehmen will: Dunkles und Trauriges.

Sommerzeit – Urlaubszeit. Urlaub – in diesem Wort steckt das Wort „Erlaubnis“. Wir erlauben uns im Urlaub Dinge, die wir uns sonst nicht gönnen. Urlaub ist die Erlaubnis, sich nicht von äußeren Zwängen leiten zu lassen. Urlaub ist die Erlaubnis, eine Auszeit zu nehmen vom getrieben sein im Alltag – auch und gerade in dieser von der Corona Epidemie belasteten Zeit. Es kann dann Augenblicke geben für jeden zum Genießen, Augenblicke, in denen wir entweder den Duft der Blumen oder das Zwitschern eines Vogels wahrnehmen können, oder die Liebe des Partners, oder die Lebendigkeit der Kinder. Es wird nicht besser, wenn ich nur auf die Not des Lebens starre.
Die Sonne, die blühende und lebensvolle Natur – sie sind Hoffnungszeichen Gottes. Es ist schade, wenn wir sie übersehen.