12.04.20

Aufbruch in neuem Geist

Ein Impuls von Dr. Susanne Edel, Pfarrerin in der Kirchengemeinde Kirchentellinsfurt.

Ostern ist anders. In diesem Jahr fast überall. Leere Straßen statt Stau auf Reiserouten. Restaurants mit Luke zur Ausgabe des Ostermenüs. Menschen verwirrt hinter der verschlossenen Tür ihres Zimmers im Pflegeheim. Unvermutet steht jemand im Schutzanzug vor ihnen- wie im Horrorfilm.

Vieles geht nicht mehr. „So läuft’s“ versteht sich nicht mehr von selbst. Werden - wollen - sollen wir wiederfinden, wie’s lief?

Noch etwas ist anders: jeden Abend winke ich den Nachbarn zu. Um 19h, wenn wir „Der Mond ist aufgegangen“ singen. Nie zuvor wusste ich so gut, ob die Nachbarn gesund sind. Allerorts überlegen Menschen, wie es Einsamen gerade gehen mag, rufen an, bringen Einkäufe. Politische Hilfsprogramme sind in ein paar Tagen aus dem Boden gestampft. Privatleute zahlen Geld, damit es über die Bürgerstiftung anderen zugutekommt. Wird der Einbruch zum Aufbruch?

Ostern ist anders. Ganz am Anfang war das auch so. Manche hatten alles auf diese Karte gesetzt: „Mit Jesus will ich leben. Denn jetzt weiß ich, wie es ist, wenn einer sich für mich interessiert statt über mich herzieht. Jetzt sehe ich Gott als den, der mir Gutes zutraut.“ Doch Jesus endet elendlich. So als müsste einer das ganze Elend der Welt auf sich nehmen. Die Jesusbewegung bricht zusammen.

Ostern ist ganz anders. Maria - die aus Magdala - denkt, sie habe den Friedhofsgärtner vor sich. Dabei redet sie mit Jesus!  Zwei Jesusanhänger spazieren stundenlang mit einem Fremden. Am Ziel in Emmaus merken sie: das ist ja Jesus! Selbst engste Freundinnen und Freunde erkennen Jesus nicht mehr! Nach Ostern gibt’s offenbar kein: „Weiter so!“  Jeder Tag ist neu - offen für nie zuvor Erlebtes. Jesus taucht auf - in fremder Gestalt, ist wieder weg, erscheint wieder - und entschwindet ganz in den Himmel. In der Jesusbewegung weht ein neuer Geist.

Es ist anders in der Nachbarschaft - und manchmal ist mir, als tauche Jesus darin auf. Als wäre er da in dem Telefonat, in dem mir’s leichter wird ums Herz. „In der Welt habt ihr Angst - aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden!“ (Joh 16,33) hat er zu Ostern gesagt. „Nichts mehr steht unüberwindlbar vor dir - nicht mal mehr der Tod!“  Selbst im Tod reicht Jesus die Hand vom Himmel. Himmlischer Geist weht herüber. Er traut uns Gutes zu. Lust keimt auf, es zu suchen. Suchen gehört doch zu Ostern! Vielleicht liegt das Gute ja ganz nah.