12.04.21

#beziehungsweise

Freude am Erwachsenwerden: Bar-Mizwa beziehungsweise Firmung/ Konfirmation.
Die ökumenisch verantwortete Kampagne „#beziehungsweise – jüdisch und christlich: näher als du denkst“ möchte dazu anregen, die enge Verbundenheit des Christentums mit dem Judentum wahrzunehmen.

Verantwortung übernehmen, erwachsen werden. Traditionen neu mit Leben füllen, Glauben feiern: In der Synagoge mit der Bar*Bat-Mizwa, in der Kirche mit der Firmung/Konfirmation. Für alle Generationen ein Fest!

Eine jüdische Stimme
Im Judentum gelten Mädchen mit 12 und Jungen mit 13 Jahren als erwachsen, das heißt, in der Lage, Verantwortung für das eigene religiöse Leben und für die Erfüllung der Gebote vor Gott und den Menschen zu übernehmen. Von diesem Zeitpunkt an werden sie als „Bar Mitzwah“ bzw. „Bat Mitzwah“, als „Sohn/Tochter der Verpflichtung“, betrachtet und sind selbst verantwortlich für das Halten der Gebote. Erst seit dem Mittelalter begehen Jungen den Beginn dieser neuen Lebensphase mit einer Zeremonie, zu der das Rezitieren der Torah im Gottesdienst, ein Lehrvortrag und das Anlegen der Tefillin (Gebetsriemen) gehören. Von nun an werden sie zum Minjan, also des für bestimmte Gebete und Rituale notwendigen Quorums von zehn Männern, gerechnet. Für Mädchen bildeten sich erst im Verlauf des 20. Jahrhunderts verschiedene Formen heraus, um die Bat Mitzwah zu feiern.
Die Vorbereitungen für die Bar/Bat Mitzwah ziehen sich bei Kindern je nach Vorwissen und Gemeindepraxis über ein bis drei Jahre hin. Im Gottesdienst legen sie zum ersten Mal ihren Tallit an und tragen den Wochenabschnitt der Torah ganz oder teilweise vor, meist in der traditionellen musikalischen Rezitationsweise. Dazu kommt noch die Haftarah, die Prophetenlesung, in Hebräisch oder in der Landessprache. Danach folgt eine kurze Predigt, manchmal wird auch ein Teil des Gottesdienstes vorgebetet. Daran schließt der Kiddusch, ein festlicher Imbiss, in der Gemeinde an und danach wird im privaten Rahmen mit Familie und Freundeskreis weitergefeiert.
– Rabbinerin Dr.in Ulrike Offenberg

Eine christliche Stimme
Sowohl Judentum als auch Christentum kennen Rituale des Erwachsenwerdens und Zeichenhandlungen, welche die zivile und religiöse Mündigkeit zum Ausdruck bringen, aber auch die Einladung zum christlichen Zeugnis in der heutigen Welt und zur Mitarbeit in der Gemeinde. In der römisch-katholischen Kirche ist die Firmung das Sakrament der Mündigkeit. Der Bischof verleiht und feiert die Gabe des Geistes unter Gebet und Salbung bzw. Handauflegung. Die Firmanden empfangen Gottes Geist. Sie erwidern den Friedensgruß und sind bereit, sich selbst mit ihren Charismen in den Dienst der Menschen zu stellen. Die Firmpat*innen unterstützen sie dabei, was sie mit der Hand auf der Schulter der Jugendlichen signalisieren.
In der Evangelischen Kirche bekräftigen junge Menschen ihre Aufnahme in die christliche Gemeinde, die zuvor mit der Taufe, meist im Säuglingsalter, geschehen ist. In der Konfirmanden-Zeit lernen die jungen Menschen die Grundlagen des christlichen Glaubens kennen, üben sich in christlicher Spiritualität ein und engagieren sich im Gemeindekontext. Nach dem Fest der Konfirmation sind sie eingeladen, ihren Weg des Glaubens in der Gemeinschaft anderer Christinnen und Christen weiter zu gehen und sich mit ihren Gaben und Fähigkeiten in der Gemeinde einzubringen.
– Prof. Dr. Stephan Leimgruber

 

Zur Ökumenischen Kampagne #beziehungsweise - jüdisch und christlich

Die ökumenisch verantwortete Kampagne „#beziehungsweise – jüdisch und christlich: näher als du denkst“ möchte dazu anregen, die enge Verbundenheit des Christentums mit dem Judentum wahrzunehmen. Auch und gerade im Blick auf die Feste wird die Verwurzelung des Christentums im Judentum deutlich. Mit dem Stichwort „beziehungsweise“ soll der Blick auf die aktuell gelebte jüdische Praxis in ihrer vielfältigen Ausprägung gelenkt werden. Die Kampagne ist ein Beitrag zum Festjahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland.

In einer respektvollen Bezugnahme auf das Judentum, die zur positiven Auseinandersetzung mit der Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland anregt, will die Kampagne auch einen Beitrag zur Bekämpfung des Antisemitismus leisten.

Wie sieht die Kampagne aus?
Seit Dezember 2020 finden Sie auf der Webseite der Kampagne eine inhaltliche Vertiefung zu den 14 Monatsblättern (mit zumeist spezifisch möglicher monatlicher Zuordnung) zu dem jeweiligen Fest/Thema sowohl aus jüdischer als auch aus christlicher Perspektive. Diese Beiträge dürfen Sie unter Angabe des Autor*innennamens im kirchlichen Kontext veröffentlichen.
Themen der Monatsblätter sind: B´reschit beziehungsweise Im Anfang; Purim beziehungsweise Karneval; Pessach beziehungsweise Ostern; Umkehren zum Leben beziehungsweise Antisemitismus ist Sünde; Bar-Mizwa beziehungsweise Firmung/ Konfirmation; Schawuot beziehungsweise Pfingsten; Namensgebung beziehungsweise Namenstag; Schabbat beziehungsweise Sonntag; Tischa B´av beziehungsweise Israelsonntag, Jom Kippur beziehungsweise Buße und Abendmahl; Sukkot beziehungsweise Erntedankfest; Sachor beziehungsweise 9. November; Chanukka beziehungsweise Weihnachten; Brit Milah beziehungsweise Taufe.

Die Kampagne wird unterstützt durch: Aushänge ab Januar 2021 in Schulen, Gemeinden etc., Veröffentlichung auf Social Media, via QR-Code Vertiefung der Themen der Monatsblätter, Angebot zusätzlicher religionspädagogischer Materialien, Aufdruck eigener Logos am unteren Rand der Plakate möglich, monatlich jüdisch-christliche digitale Dialoge.
Der offizielle Kampagnenstart fand am 11. November 2020 in Berlin in der Parochialkirche statt (als Livestream mit Video-Einspielern). Unter: https://youtu.be/33f8_T2zZrU kann er weiter angesehen werden – bitte den Link gerne mit anderen teilen und auch Teile davon (z. B. die Grußworte) zur Vorstellung der Kampagne nutzen. Diese Auftakt-Veranstaltung versteht sich als Einladung, die Kampagne auch regional aufzunehmen und weiterzuführen. Je mehr wir darüber sprechen, desto mehr erfahren davon!