12.10.19

Wie die Kinder

Ein Impuls von Matthias Krämer, Pfarrer an der Johanneskirche Mössingen.

Kinder quengeln, sind unruhig und ungeduldig, halten sich nicht an Regeln, sind vorlaut und äußern ihren Willen lautstark. Kinder stören!

So empfinden nicht nur heutzutage manche Erwachsene, das haben sich auch die Freunde Jesu so gedacht. Es gab so viele wichtige Dinge zu besprechen. Die Zeiten waren unsicher. Viele fragten sich, wie es weitergehen konnte und welche Lösungen es für die Zukunft gab.

Deshalb hatte sich eine große Menschenmenge um Jesus versammelt. Von ihm erhofften sie sich wegweisende Antworten. Jesus hatte bereits mit Autorität darüber gesprochen, was in dieser Welt neu werden musste. Er hatte die Vision von einer Welt, in der Gott präsent ist, von einem gelingenden Miteinander der Menschen und der gesamten Schöpfung. Gottes Welt – eine Welt ohne Sorge und Angst, durchdrungen von Liebe, erfüllt mit Frieden und Freude, alles in großer Freude.

Mitten in dieses Gespräch, mitten in diesen Traum platzten einige Eltern, die ihre Kinder mitbrachten, weil sie auch für ihre Kinder eine hoffnungsvolle Zukunft mit Gott wünschten. Aber sie wurden zurückgewiesen, denn die Freunde Jesu waren der Meinung, dass Kinder hier keine Rolle spielten, sondern nur störten. Ohne Kinder ließe sich die Zukunft viel einfacher planen.

Doch zur großen Überraschung aller wies Jesus seine Freunde mit deutlichen Worten zurecht. Er ließ die Erwachsenen sitzen und wandte sich den Kindern mit den Worten zu: „Lasst die Kinder doch zu mir kommen und hindert sie nicht daran; denn für Menschen wie sie steht Gottes neue Welt offen. Ich versichere euch: Wer sich Gottes neue Welt nicht schenken lässt wie ein Kind, wird niemals hineinkommen.“

Für Jesus gibt es keine Zukunft, keine Hoffnung ohne Kinder. Und im Unterschied zu den Erwachsenen um ihn herum ist er der Meinung, dass Kinder Eigenschaften haben, die grundlegend für diese neue Welt sind, zu der Gott einlädt. „Wenn ihr euch nicht ändert und den Kindern gleich werdet, dann könnt ihr in Gottes neue Welt überhaupt nicht hineinkommen.“

Ich freue mich, dass es auch heute wieder Kinder und Jugendliche sind, die sich nicht mit der Welt der Erwachsenen zufrieden geben, sondern ihren Wunsch nach Veränderung lautstark und ungeduldig kundgeben, die sich nicht um politische Kompromisse und ökonomische Interessen scheren, die das Geschenk der Zukunft nicht verlieren wollen.

Manche werden diese Äußerungen und auch mich selbst naiv nennen. Gut, dann bin vielleicht auch ich bereit für eine Welt, in der Gottes Wille gilt.