Evangelischer Kirchenbezirk Tuebingen
Evangelischer Kirchenbezirk Tuebingen
13.01.21

Das Vertrauen der Menschen ist ein Geschenk

Krankenhausseelsorgerin Friederike Bräuchle in den Ruhestand verabschiedet

Tübingen. Nach acht Jahren beendet Friederike Bräuchle ihren Dienst an der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Tübingen. Die evangelische Pfarrerin ist seit Anfang Januar im Ruhestand. Bräuchle wurde am 13. Januar auf Grund von Corona nur im kleinen Rahmen im Kollegenkreis verabschiedet.

„Es war eine sehr bereichernde Arbeit“, sagt die scheidende Seelsorgerin. „Ich war immer wieder beeindruckt, wie viel Vertrauen mir – auch von kirchenfernen Menschen – geschenkt wurde, einfach weil ich nach ihnen schaute, zuhörte und mich auf sie einließ. Indem ich zu den Menschen hingehe und das Gespräch mit ihnen suche, bin ich im Sinne Jesu unterwegs. Das ist in aller Regel bei den Patienten willkommen und befriedigt mich.“

Auch Gottesdienste in der Klinik seien für Friederike Bräuchle ein wichtiger Dienst der Kirche in den Kliniken, selbst wenn wegen der immer kürzeren Liegezeit oft nur wenige Patienten kommen könnten. In den Worten des Glaubens würde die für Kranke beherrschende Welt der Klinik aufgebrochen, und ein anderer Blickwinkel auf ihr Leben komme zur Sprache. Durch gemeinsames Singen und Beten würden die Kräfte der Seele und die Hoffnung gestärkt. „Auch in den Gottesdiensten hatte ich den Eindruck, Menschen besonders nahe kommen zu können.“

Als eine von sieben evangelischen Seelsorgerinnen und Seelsorgern am Klinikum finde sie die Zusammenarbeit mit den ökumenischen Partnern anregend und herausfordernd. Unvergessen bleiben die gemeinsamen Klausurtage, die dem Austausch und der Fortbildung dienten. Fünf Jahre gehörte Bräuchle dem Beirat der Krankenhaus- und Kurseelsorgerinnen und -seelsorger der Landeskirche an und nahm regelmäßig an den Jahreskonferenzen der EKD teil.

Die Koordination der Notfallseelsorge im Landkreis Tübingen gehörte ebenso zum Aufgabenbereich von Friederike Bräuchle. „Neben den Rettungsdiensten für die Menschen in Krisensituationen da zu sein, ist ein Wesenskern der Kirche,“ davon ist Bräuchle überzeugt. Die Krise beträfe den ganzen Menschen, den Körper und die Seele. Da könne Kirche gesellschaftsdiakonisch sichtbar werden. Es sei allerdings nicht einfach, für den 24 Stunden-Bereitschaftsdienst Pfarrer*innen oder Ehrenamtliche zu gewinnen. „Die Notfallseelsorge war immer ein Sorgenkind, und liegt mir wohl auch deswegen so am Herzen“, sagt Bräuchle. Sie will deswegen auch im Ruhestand noch Bereitschaftsdienste übernehmen. Sie hoffe, der Landkreis lasse sich für eine Kooperation mit den Kirchen gewinnen. So ließen sich die Kosten für die immer umfangreichere Sicherheitsausstattung der Notfallseelsorger auf mehrere Schultern verteilen.

Aufgewachsen ist Friederike Bräuchle in Metzingen. Nach dem Abitur dort hat sie in Tübingen, Edinburgh und Zürich Theologie studiert. Ihr Ausbildungsvikariat machte sie an der Pauluskirche in Geislingen/Steige. Bereits in dieser Zeit beschäftigte sie sich mit der Frage der präventiven Seelsorge. Nach der ersten eigenen Pfarrstelle in Ulm wechselte sie als Studienleiterin für Pastoraltheologie und Seelsorge an das Pfarrseminar in Stuttgart Birkach. 14 Jahre war sie Gemeindepfarrerin an der Gedächtnis- und Rosenbergkirchengemeinde in Stuttgart, bevor sie ihre letzte Pfarrstelle als Krankenhausseelsorgerin an der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Tübingen und der HNO antrat.
Im Ruhestand will Friederike Bräuchle das kulturelle Leben Tübingens noch mehr erkunden, wohl im Chor singen und „mit Sicherheit auch eine soziale Aufgabe übernehmen“.

Magdalena Smetana
Medienbeauftragte im Kirchenbezirk Tübingen