13.06.20

Imbissbude braucht Erntebitte

Ein Impuls von Friedhelm Schweizer, Pfarrer in Derendingen.

„Ich kauf mir noch einen Döner.“ „Ich hol mir schnell was vom Bäcker.“ „Ich nehm an der Imbissbude eine Portion Pommes mit.“ „Jetzt brauch ich erst mal einen Leberkäswecken vom Metzger.“ Selbstverständlich sagen wir das im Alltag.

Unlängst war es anders: Imbissbuden und Restaurants mussten geschlossen bleiben wegen der Corona-Pandemie. Die Portion Pommes war auf einmal nicht mehr selbstverständlich. Dass wir satt werden, war allerdings schon davor nicht selbstverständlich.

Damit wir essen können, braucht es eine Ernte. Für die Ernte sind wir alle auf Wachstumswetter angewiesen. Kartoffeln müssen gepflanzt und gehackt werden. Gleiches gilt für Getreide und Gemüse. Eier, Milch- und Fleischprodukte haben wir, wenn Hühner, Kühe und Schweine Futter von den Feldern bekommen. An der Ernte sind viele Menschen beteiligt.

Wir machen das Wachstumswetter nicht, obwohl wir Menschen das Wetter indirekt beeinflussen. Gott bitten um Wachstumswetter – das steckt auch in der kurzen Bitte aus dem Vaterunser: Unser tägliches Brot gib uns heute. Damit bitten wir Gott: Gib uns Regen, Sonne und Wind im Wechsel. Wochenlang Sonnenschein ist kein gutes Wetter. Die Ernte gedeiht, wenn die Pflanzen weder zu trocken noch zu feucht stehen. Wir bitten Gott: Hilf uns, sorgfältig umzugehen mit Boden und Grundwasser. Sie sollen weder ausgelaugt noch verunreinigt werden. Bewahre alle, die die Ernte einbringen. Und lass uns weise und beherzt entscheiden, damit die Preise auskömmlich sind für die Erzeuger.

In diesen Wochen feiern viele Gemeinden Erntebittgottesdienste. Um eine gute Ernte zu beten, das begann in Württemberg vor mehr als 200 Jahren mit einer Hungersnot. Bis heute gilt: Ohne eine gute Ernte wird Essen aus heimischer Erzeugung knapp.

Wer das Essen – und sei es das von der Imbissbude oder Mensa – für automatisch gegeben hält, schätzt es nicht mehr. Wer aber das Essen als Gabe Gottes zu sich nimmt, für die oder den ist es nicht mehr selbstverständlich. Deshalb ist beides nötig, die Erntebittgottesdienste und die Bitte: Unser tägliches Brot gib uns heute.

Den Döner, die Pommes, den Leberkäswecken gibt es nur mit Ernte. Nach dem Essen geht unser Gebet weiter, zum Beispiel so: „Es sei die Liebe jetzt gepriesen, gepriesen sei die Schöpferkraft, die auf den Feldern, auf den Wiesen für Tier und Menschen Nahrung schafft! Du nährest uns, wir werden satt: Du gibst, dass man noch übrig hat.“