Evangelischer Kirchenbezirk Tuebingen
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15.02.21

#beziehungsweise: jüdisch und christlich

Wir trinken auf das Leben: Purim beziehungsweise Karneval.
Die ökumenisch verantwortete Kampagne „#beziehungsweise – jüdisch und christlich: näher als du denkst“ möchte dazu anregen, die enge Verbundenheit des Christentums mit dem Judentum wahrzunehmen.

Purim feiert die Rettung des jüdischen Volkes vor der Vernichtung durch ein staatlich organisiertes Pogrom. Im Karneval werden herrschende Verhältnisse auf den Kopf gestellt, bis am Aschermittwoch die Fastenzeit beginnt. Auf das Leben – L’Chaim, Helau und Prost!

Eine jüdische Stimme
Kleine und große Clowns, Ritter, Prinzessinnen, Monster, Hexen, Zebras, Hasen und andere phantasievoll gekleidete Gestalten haben sich in der Synagoge versammelt, machen Krach mit Hilfe von Rasseln, trampeln mit den Füßen, pfeifen und bringen „Buh“-Rufe aus. Und all das bei der Verlesung eines biblischen Buches?? Purim ist das Lieblingsfest jüdischer Kinder, denn sie dürfen sich nach Herzenslust verkleiden und brauchen nicht still sitzen, weil der Lärm sogar Teil der Liturgie ist. Wann immer der Übeltäter Haman genannt wird, bricht ein enormer Krach aus, um dessen Namen auszulöschen.
Das Hören der Esther-Geschichte ist das wichtigste Gebot des Festes. Daneben ist es üblich, einander Süßigkeiten und selbst zubereitete Speisen zu schenken. Das typische Gebäck für Purim sind die „Haman-Taschen“ oder „Haman-Ohren“, dreieckige, mit Mohn, Datteln oder Marmelade gefüllte Kekse. Bedürftige Menschen werden mit Lebensmitteln oder mit Geld bedacht, damit auch sie sich Festmahlzeiten leisten können. Und warum heißt es „Esther-Rolle“? Weil der Text des Esther-Buchs aus einer auf Pergament handgeschriebenen Rolle (Megillah), ähnlich einer Torah-Rolle, vorgetragen wird.
– Rabbinerin Dr.in Ulrike Offenberg

Eine christliche Stimme
Prächtige Prinzenwagen von Düsseldorf bis Mainz, spärlich bekleidete sambatanzende junge Frauen in Rio, vornehme Masken in Venedig, urtümliches Geistertreiben in Rottweil und Luzern – das sind Bilder, die beim Stichwort „Karneval“ aufsteigen. Dass „Karneval“ ursprünglich die Tage vor dem Beginn der vorösterlichen Fastenzeit im Christentum bezeichnet, ist heute wohl zunehmend weniger bewusst.
Traditionell verzichteten Christen und Christinnen in den vierzig Tagen vor Ostern auf den Verzehr von Fleisch und schränkten auch sonst ihr Leben ein. An Karneval sagte man „dem Fleisch Lebwohl“ („carne vale“).
Hier durfte aber auch die Welt auf den Kopf gestellt werden. Spott auf die Herrschenden, Tanz, fette Speisen und ausgiebiger Alkoholkonsum gehörten dazu. Bezeichnungen wie das rheinische „Fastelovend“ („Fast-Abend“) oder „Fastnacht“ erinnern daran, dass Karneval eine Art Schwelle oder Übergang darstellt zwischen dem Leben im Alltag und der Zeit der Vorbereitung auf das Fest der Auferstehung Christi. Die „tollen Tage“ bergen aber auch ein utopisches Moment: dass das Leben mit seinen oft harten Begrenzungen und Ungerechtigkeiten nicht alles ist…
– Marie-Theres Wacker

 

Zur Ökumenischen Kampagne #beziehungsweise - jüdisch und christlich

Die ökumenisch verantwortete Kampagne „#beziehungsweise – jüdisch und christlich: näher als du denkst“ möchte dazu anregen, die enge Verbundenheit des Christentums mit dem Judentum wahrzunehmen. Auch und gerade im Blick auf die Feste wird die Verwurzelung des Christentums im Judentum deutlich. Mit dem Stichwort „beziehungsweise“ soll der Blick auf die aktuell gelebte jüdische Praxis in ihrer vielfältigen Ausprägung gelenkt werden. Die Kampagne ist ein Beitrag zum Festjahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland.

In einer respektvollen Bezugnahme auf das Judentum, die zur positiven Auseinandersetzung mit der Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland anregt, will die Kampagne auch einen Beitrag zur Bekämpfung des Antisemitismus leisten.

Wie sieht die Kampagne aus?
Seit Dezember 2020 finden Sie auf der Webseite der Kampagne eine inhaltliche Vertiefung zu den 14 Monatsblättern (mit zumeist spezifisch möglicher monatlicher Zuordnung) zu dem jeweiligen Fest/Thema sowohl aus jüdischer als auch aus christlicher Perspektive. Diese Beiträge dürfen Sie unter Angabe des Autor*innennamens im kirchlichen Kontext veröffentlichen.
Themen der Monatsblätter sind: B´reschit beziehungsweise Im Anfang; Purim beziehungsweise Karneval; Pessach beziehungsweise Ostern; Umkehren zum Leben beziehungsweise Antisemitismus ist Sünde; Bar-Mizwa beziehungsweise Firmung/ Konfirmation; Schawuot beziehungsweise Pfingsten; Namensgebung beziehungsweise Namenstag; Schabbat beziehungsweise Sonntag; Tischa B´av beziehungsweise Israelsonntag, Jom Kippur beziehungsweise Buße und Abendmahl; Sukkot beziehungsweise Erntedankfest; Sachor beziehungsweise 9. November; Chanukka beziehungsweise Weihnachten; Brit Milah beziehungsweise Taufe.

Die Kampagne wird unterstützt durch: Aushänge ab Januar 2021 in Schulen, Gemeinden etc., Veröffentlichung auf Social Media, via QR-Code Vertiefung der Themen der Monatsblätter, Angebot zusätzlicher religionspädagogischer Materialien, Aufdruck eigener Logos am unteren Rand der Plakate möglich, monatlich jüdisch-christliche digitale Dialoge.
Der offizielle Kampagnenstart fand am 11. November 2020 in Berlin in der Parochialkirche statt (als Livestream mit Video-Einspielern).Unter: https://youtu.be/33f8_T2zZrU kann er weiter angesehen werden – bitte den Link gerne mit anderen teilen und auch Teile davon (z. B. die Grußworte) zur Vorstellung der Kampagne nutzen. Diese Auftakt-Veranstaltung versteht sich als Einladung, die Kampagne auch regional aufzunehmen und weiterzuführen. Je mehr wir darüber sprechen, desto mehr erfahren davon!