16.07.19

Schutz der anvertrauten Kinder hat Priorität

Bezirkssynode bringt Präventionskonzept gegen sexualisierte Gewalt auf den Weg.

Der Evangelische Kirchenbezirk Tübingen will ein Konzept zur Prävention sexualisierter Gewalt erarbeiten. Das hat die Synode des Kirchenbezirks auf ihrer gestrigen Tagung im Stephanus-Gemeindezentrum in Tübingen beschlossen. Zudem sollen Kirchengemeinden im Umgang mit sexualisierter Gewalt und Missbrauch geschult werden.

„Wir müssen unser Möglichstes tun, dass Schutzbefohlene bei uns keine Gewalt erleben“, forderte Miriam Günderoth von der Koordinationsstelle „Prävention sexualisierte Gewalt“ im Evangelischen Oberkirchenrat in Stuttgart. Wenn es zu Fällen sexualisierter Gewalt komme, müssten diese „möglichst schnell und gut“ aufgedeckt und aufgearbeitet werden, so Günderoth.

„Der Schutz der uns anvertrauten Kinder hat oberste Priorität“, betonte Pfarrerin Dr. Hahn-Jooß. Die Referentin im Dekanatamt bietet gemeinsam mit Christina Fehl von der Psychologischen Beratungsstelle Brückenstraße ab sofort Schulungen für Kirchengemeinden an. Ziel sei es, haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über sexualisierte Gewalt zu informieren, sie zu sensibilisieren und mit den Gemeinden ein Schutzkonzept zu erarbeiten.

Parallel dazu entwickelt auch der Kirchenbezirk ein Präventionskonzept auf Bezirksebene. Auf Vorschlag von Dekanin Elisabeth Hege beschloss die Synode, eine Arbeitsgruppe einzurichten. Das dort erarbeitete Konzept solle dann von der Synode verabschiedet werden und könne als „Rahmenkonzept“ für die Konzepte der Kirchengemeinden dienen, kündigte die Dekanin an.

Dr. Daniela Harsch, seit Anfang des Jahres Bürgermeisterin für Soziales, Ordnung und Kultur in Tübingen, stellte sich der Synode mit einem Grußwort vor. Sexualisierte Gewalt und Missbrauch sei ein „bitteres gesellschaftliches Phänomen“, vor dem keine Organisation geschützt sei, sagte Harsch. Die Bürgermeisterin lobte zudem das gemeinsame Engagement der Stadt, der Kirchen und Verbände bei der Aufnahme und Integration von Geflüchteten. Derzeit gebe es in Tübingen rund 1400 Menschen in Anschlussunterbringungen, so Harsch. Die promovierte Volkswirtin wies auch auf die Herausforderung hin, genügend Personal für Kindertageseinrichtungen zu finden.

Zu Gast war auch der Reutlinger Prälat Dr. Christian Rose. Gemeinsam mit Dekanin Elisabeth Hege verabschiedete er Pfarrer Andreas Föhl, den Medienbeauftragten der Prälatur Reutlingen und des Kirchenbezirks Tübingen. Der Pressepfarrer verlässt zum Ende des Monats nach drei Jahren die Stelle und wechselt als Religionslehrer in den Schuldienst.

Föhl stellte der Synode den neuen Internetauftritt des Kirchenbezirks Tübingen vor, der Ende letzter Woche online gegangen ist. Die neue Homepage wolle „nutzerorienteiert, übersichtlich und optisch ansprechend“ über den Kirchenbezirk informieren, fasste der Pressepfarrer die Konzeption des neuen Auftritts zusammen.

In ihrem Bericht vor der Synode informierte Dekanin Elisabeth Hege über die Partnerschaft des Kirchenbezirks Tübingen mit drei Kirchenbezirken der Presbyterianischen Kirche in Kamerun. Die geplante Reise von Vertreterinnen und Vertretern des Kirchenbezirks in das afrikanische Land sei wegen des dort herrschenden Bürgerkriegs „derzeit nicht gut möglich“, sagte die Dekanin. Stattdessen werde vom 2. bis 13. September eine fünfköpfige Delegation aus Kamerun den Kirchenbezirk besuchen.

Martin Brändl informierte die Bezirkssynode über die Tagung der Landessynode Anfang Juli in Stuttgart. Das Kirchenparlament habe sich unter anderem mit dem Schutz des Lebens an dessen Anfang und Ende, mit der Seenotrettung Geflüchteter im Mittelmeer, mit einer Studie zur Entwicklung der Kirchenmitgliederzahlen sowie mit der Mittelfristigen Finanzplanung befasst, berichtete der Landessynodale.

Die Bezirkssynode verabschiedete die Mittelfristige Finanzplanung des Kirchenbezirks für die Jahre 2019 bis 2020, die Bezirksrechner Matthias Röckle den Delegierten vorstellte. Demnach erhalten die Kirchengemeinden des Bezirks im laufenden Jahr insgesamt rund 11 Millionen Euro, im kommenden Jahr rund 10,9 Millionen Euro und in den Jahren 2021 bis 2023 11,6 Millionen, 11,2 Millionen und 11,5 Millionen Euro. Die Synode beschloss auch, die Kirchenbezirksumlage, mit der die Kirchengemeinden die Arbeit des Kirchenbezirks finanzieren, im Jahr 2020 um 1,35 Euro auf 34,90 Euro pro Gemeindeglied zu erhöhen.

Nach der Rechnungsprüfung der Jahre 2014 bis 2017 durch das Rechnungsprüfungsamt entlastete die Bezirkssynode einstimmig Bezirksrechner Matthias Röckle, seine Stellvertreterin Martina Mader-Sorg sowie die Vorsitzende des Kirchenbezirksausschusses, Dekanin Elisabeth Hege.

Andreas Föhl, Medienbeauftragter im Kirchenbezirk Tübingen

 

Bürgermeisterin Dr. Daniela Harsch stellte sich der Synode vor.