20.07.19

Selig sind die Hilflosen?

Ein Impuls von Diplom-Sozialpädagogin Pia Kuhlmann, Ehrenamtskoordinatorin im Diakonischen Werk Tübingen.

Ich arbeite in einer Einrichtung mit geflüchteten Frauen und Kindern. Diese Arbeit hat viele besondere Begegnungen, interkulturelle Lernprozesse und schöne Momente. Jedoch gibt es für mich Lagen die unlösbar wirken: Ich arbeite mit Frauen, die so schwer traumatisiert sind, dass es vermutlich Jahre an Therapie benötigt, um diese Traumata zu verarbeiten. Ich lerne Analphabetinnen kennen, die keine Möglichkeit zur Alphabetisierung haben, da sie sich um ihre Babys kümmern. Ich erlebe Kinder, die durch eine Vergewaltigung gezeugt wurden und im täglichen Zwiespalt von Liebe und Hass ihrer Mütter leben.

Wie kann ich in solch aussichtslos wirkenden Situationen helfen? Wie kann ich Angela Merkels Satz „Wir schaffen das“ mit einer langfristigen Perspektive füllen? Ich habe häufig keine Antwort auf diese Fragen. Ich fühle mich hilflos.

In der Bibel hält Jesus eine Rede an viele Zuhörer. Sie wird die Bergpredigt genannt. Darin sagt er: „Glückselig sind die, die an der Not der Welt leiden. Denn sie werden getröstet werden.“ (Basisbibel, Matthäus 5, 4). Wenn ich mein Gefühl der Hilfslosigkeit mit der Not der Welt verbinde, soll ich also glücklich sein? Glücklich, weil ich getröstet werde? Das klingt mir nach einer schnellen und zu einfachen Antwort. Oder?

In diesen Situationen, in denen ich wenig Perspektive für Veränderung sehe, möchte Jesus mir durch Trost begegnen. Macht das Sinn? Die Schürfwunde eines Kindes ist nicht sofort verheilt nachdem es getröstet wurde, dennoch wird der Schmerz weniger. Denn, der Trost besteht nicht aus der Lösung des Problems, sondern im Ernst genommen werden im eigenen Schmerz. Trost ist ein Mitfühlen und Mitleiden. Das bedeutet: Jesus erlebt meine Not der Welt mit mir.

Wenn wir mitleiden, geht er mit uns durch dieses Leid. Wir sehen die Not der Menschen um uns herum, wir fühlen mit, leiden selbst und dürfen dafür auch Trost erleben. Wir teilen unsere Hilflosigkeit mit Jesus. Er nimmt uns ernst. Das ändert nichts an den unlösbar wirkenden Situationen, wir stehen ihnen jedoch nicht alleine gegenüber.

Das ermutigt mich trotz schwieriger Schicksale und eigener Betroffenheit, weiter zu hoffen. Es ist wichtig, den leidenden Personen ein mitfühlendes und respektvolles Gegenüber zu sein, immer wieder mit jedem Einzelnen nach Lösungen zu suchen und nicht aufzugeben. Vielleicht erleben wir gemeinsam darin ein Stück Glückseligkeit.