22.02.20

Aufstehen gegen den Hass

Ein Impuls von Elisabeth Hege, Dekanin im Evang. Kirchenbezirk Tübingen

Zehn Menschen sind in Hanau ermordet worden. Der vermutliche Täter hat sich zuvor zutiefst rassistisch geäußert. Die Ermordeten lebten in seiner Nachbarschaft, gehörten zu unserer Gesellschaft. Sie sind zu Opfern des Hasses geworden, ebenso wie die Verletzten und die Angehörigen. An sie zu denken, zu ihnen zu stehen, das haben in den letzten beiden Tagen zum Glück viele Menschen getan. Sie zeigen Trauer und Verbundenheit. Das ist unendlich viel wert. Doch nichts macht die furchtbare Tat ungeschehen.

Vergessen wir nicht die vielen weiteren Gewalttaten rechtsextremistischer Täter. Aus Worten sind Hasstaten geworden. Rassistische, antisemitische, islamfeindliche und homophobe Gewalt; der Hass trifft ganz unterschiedliche Menschen. Unsere Gesellschaft, auch Amtsträger/innen, und unser Miteinander werden damit angegriffen. Gut, dass viele dagegen aufstehen.  Auch die Kirchen rufen dazu auf. Aber es gilt zugleich, unsere eigene Glaubenstradition abzuklopfen, auf eingewurzelte Denk- und Sprachmuster, die viel zu lange Vorurteile festgeschrieben und Menschen ausgegrenzt haben. Haben wir der Radikalisierung heute mehr Widerstandsfähigkeit entgegenzusetzen?

„Seht wir gehen hinauf nach Jersualem…“ sagt Jesus von Nazareth. Am Sonntag wird in vielen Gottesdiensten daran erinnert. Jesus wusste, was auf ihn zukommt. Er hat es seinen Jüngern angekündigt. Die verstanden nicht. Noch nicht. Erst im Nachhinein sind ihnen die Augen aufgegangen: Jesus hat Gottes Reich und seine Nähe verkündigt; er hat Menschen ins Leben zurückgebracht, hat Gemeinschaft mit Ausgegrenzten gelebt und zur Nachfolge aufgerufen. In Jerusalem ist er selbst zum Opfer geworden. Doch die Gewalt und der Tod haben nicht das letzte Wort behalten, so das christliche Bekenntnis. Wenn am Aschermittwoch die Fasten- und Passionszeit beginnt, erinnern wir an diesen Weg Jesu. Zugleich verbinden wir die Erinnerung an viele Opfer von Gewalt damit. Opfer sollen um Gottes Willen nicht mehr sein, dazu bekennen wir uns. Die Passionszeit begehen heißt, das durchzubuchstabieren, immer wieder. Dazu gehört heute, Spaltung und Hass nüchtern wahrzunehmen. Und dem eine begründete Hoffnung und Zuversicht entgegenzusetzen, im Namen Jesu und gemeinsam mit vielen anderen. Damit nicht Angst um sich greift, sondern das Miteinander gestärkt wird. Gut, wenn wir dafür mit vielen Menschen gemeinsam auf dem Weg sind.