22.08.20

Mit Gottvertrauen dem Nächsten vertrauen

Ein Impuls von Eva Zähringer, Pfarrerin in Kilchberg/Bühl.

Wem kann man eigentlich noch vertrauen? US-Präsident Donald Trump warnt davor, per Briefwahl seine Stimme abzugeben bei der Präsidentenwahl im November. Belege dafür, dass die Briefwahl besonders anfällig ist für Manipulationen, gibt es bislang nicht – abgesehen davon, dass Trump anscheinend selbst versucht, die Arbeitsfähigkeit der US-Post zu untergraben. Wie kann man da seinen Aussagen vertrauen?

Vertrauen – wir brauchen es, um in unserer Gesellschaft miteinander leben zu können. Alle werben um unser Vertrauen – der Immobilienberater ebenso wie die Politiker, die Ärzte und Virologen und die Kirchen. Und ich muss mich darauf verlassen können, dass meine Mitmenschen sich an Regeln halten und es im Großen und Ganzen gut mit mir meinen. Der Boiler ist kaputt, kann nicht repariert werden und muss ausgetauscht werden? Ein bestimmtes Medikament hilft am besten gegen mein Sodbrennen? Den Aussagen der Experten muss ich glauben.

Dennoch fällt es uns immer schwerer, uneingeschränkt zu vertrauen. Fake News zeigen uns: Die Wahrheit wird nach Lust und Laune verdreht; der Skandal um Wirecard macht deutlich: Grade die Anzugträger, die so seriös daherkommen, versuchen alles, um für den eigenen Vorteil zu arbeiten.

Ohne Vertrauen kann unser Zusammenleben nicht gelingen; wie aber kann es heutzutage noch gelingen, zu vertrauen?

Die Bibel fordert uns immer wieder dazu auf, alleine auf Gott zu vertrauen. In Psalm 118,8 heißt es: „Es ist gut, auf den Herrn vertrauen und nicht sich verlassen auf Menschen.“ Nun kann das nicht funktionieren, sondern es wird immer wieder nötig sein, sich auch auf Menschen zu verlassen; anders können wir nicht miteinander leben. Es macht uns aber verletzlich, einem anderen Vertrauen entgegen zu bringen, vor allem, wenn das Vertrauen enttäuscht wird. Wir werden schwach und liefern uns dem Gegenüber aus, wenn wir uns auf ihn oder sie verlassen.

Da ist es gut und stärkt uns den Rücken, wenn wir wissen, dass einer da ist, dem wir vollständig vertrauen dürfen, nämlich Gott. Denn im Gegensatz zu den Menschen wirbt Gott nicht um unser Vertrauen zu seinem eigenen Vorteil, um für sich einen Nutzen daraus zu ziehen. Er hofft nicht darauf, Macht, Ansehen oder Geld zu gewinnen durch unser Vertrauen, sondern er hat unser Wohlergehen im Sinn. Darum ist es gut, dem Herrn zu vertrauen; dann kann es auch besser gelingen, sich auf Menschen zu verlassen.