27.03.21

#beziehungsweise

Frei von Sklaverei und Tod: Pessach beziehungsweise Ostern.
Die ökumenisch verantwortete Kampagne „#beziehungsweise – jüdisch und christlich: näher als du denkst“ möchte dazu anregen, die enge Verbundenheit des Christentums mit dem Judentum wahrzunehmen.

Jüdinnen und Juden feiern zu Pessach die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten, Christinnen und Christen zu Ostern die Auferstehung Jesu vom Tod. Gott befreit und erlöst. Auch heute. Halleluja!

Eine jüdische Stimme
Pessach feiert den Auszug Israels aus der Sklaverei Ägyptens. In Erinnerung an diesen Befreiungsakt Gottes wird eine Woche lang ein Fest begangen, das bei religiösen wie bei säkularen Juden so tief verankert ist wie wohl kein anderer jüdischer Feiertag. Während der Pessachwoche werden alle Getreideprodukte aus dem Haushalt verbannt und an deren Stelle das „Ungesäuerte Brot“, die Matzah, und aus Matzemehl hergestellte Teigwaren gegessen.
Ein zentrales Gebot des Festes lautet, den Kindern von Auszug und Befreiung zu erzählen, um auch ihnen diese Identifikation mit der Geschichte Israels zu ermöglichen.
So beginnt das einwöchige Pessachfest mit dem Sederabend: Familie und Freunde oder auch die Gemeindemitglieder versammeln sich zu einem Festmahl, das einer bestimmten Ordnung („Seder“) folgt. Im Zentrum steht das gemeinsame Lesen der Haggadah, der mit Kommentaren, Psalmen und Liedern angereicherten Erzählung vom Auszug aus Ägypten. Dazu werden symbolische Speisen verzehrt, die die Bitternis der Sklaverei verdeutlichen sollen. Dieses Ritual richtet sich an Kinder und Erwachsene gleichermaßen, denn jede/r ist aufgefordert, sich als Teil dieser Geschichte zu erleben und sie sich zueigen zu machen.
– Rabbinerin Dr.in Ulrike Offenberg

Eine christliche Stimme
Die Beziehung zwischen Pessach und Ostern lädt zum Nachdenken über die Beziehung von Judentum und Christentum ein. Die beiden Feste finden ungefähr zur selben Zeit (wenn auch nicht am selben Tag) statt. Sie thematisieren Befreiung.
Dabei ist es interessant, wie wenig dem Judentum und Christentum gemeinsame Themen in den Gottesdiensten vorkommen. Die Kerntexte der Synagogenliturgie (Ex 12,21– 51; Jos 3,5–7; 5,2–6,1.27) und der Haggada (Jos 24,2–4; Dtn 6,21; 26,5–8) spielen keine Rolle zu Ostern.(https://www.bibleserver.com/EU/5.Mose6%2C21)
Darin zeigt sich, dass die Feiern der österlichen Tage einer anderen Erzählung folgen als das biblische und das spätere jüdische Pessach. Sie bilden die im Neuen Testament erzählte Geschichte vom Einzug in Jerusalem (Palmsonntag) zum letzten Abendmahl, zur Fußwaschung und dem Gebet am Ölberg (Gründonnerstag), zu Leiden, Tod und Begräbnis (Karfreitag) und schließlich zur Auferstehung Jesu (Karsamstag und Ostersonntag) ab. Die christliche Gemeinde erlebt die letzten Tage Jesu – nicht den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten.
– Prof. Dr. Clemens Leonhard

 

Zur Ökumenischen Kampagne #beziehungsweise - jüdisch und christlich

Die ökumenisch verantwortete Kampagne „#beziehungsweise – jüdisch und christlich: näher als du denkst“ möchte dazu anregen, die enge Verbundenheit des Christentums mit dem Judentum wahrzunehmen. Auch und gerade im Blick auf die Feste wird die Verwurzelung des Christentums im Judentum deutlich. Mit dem Stichwort „beziehungsweise“ soll der Blick auf die aktuell gelebte jüdische Praxis in ihrer vielfältigen Ausprägung gelenkt werden. Die Kampagne ist ein Beitrag zum Festjahr 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland.

In einer respektvollen Bezugnahme auf das Judentum, die zur positiven Auseinandersetzung mit der Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland anregt, will die Kampagne auch einen Beitrag zur Bekämpfung des Antisemitismus leisten.

Wie sieht die Kampagne aus?
Seit Dezember 2020 finden Sie auf der Webseite der Kampagne eine inhaltliche Vertiefung zu den 14 Monatsblättern (mit zumeist spezifisch möglicher monatlicher Zuordnung) zu dem jeweiligen Fest/Thema sowohl aus jüdischer als auch aus christlicher Perspektive. Diese Beiträge dürfen Sie unter Angabe des Autor*innennamens im kirchlichen Kontext veröffentlichen.
Themen der Monatsblätter sind: B´reschit beziehungsweise Im Anfang; Purim beziehungsweise Karneval; Pessach beziehungsweise Ostern; Umkehren zum Leben beziehungsweise Antisemitismus ist Sünde; Bar-Mizwa beziehungsweise Firmung/ Konfirmation; Schawuot beziehungsweise Pfingsten; Namensgebung beziehungsweise Namenstag; Schabbat beziehungsweise Sonntag; Tischa B´av beziehungsweise Israelsonntag, Jom Kippur beziehungsweise Buße und Abendmahl; Sukkot beziehungsweise Erntedankfest; Sachor beziehungsweise 9. November; Chanukka beziehungsweise Weihnachten; Brit Milah beziehungsweise Taufe.

Die Kampagne wird unterstützt durch: Aushänge ab Januar 2021 in Schulen, Gemeinden etc., Veröffentlichung auf Social Media, via QR-Code Vertiefung der Themen der Monatsblätter, Angebot zusätzlicher religionspädagogischer Materialien, Aufdruck eigener Logos am unteren Rand der Plakate möglich, monatlich jüdisch-christliche digitale Dialoge.
Der offizielle Kampagnenstart fand am 11. November 2020 in Berlin in der Parochialkirche statt (als Livestream mit Video-Einspielern). Unter: https://youtu.be/33f8_T2zZrU kann er weiter angesehen werden – bitte den Link gerne mit anderen teilen und auch Teile davon (z. B. die Grußworte) zur Vorstellung der Kampagne nutzen. Diese Auftakt-Veranstaltung versteht sich als Einladung, die Kampagne auch regional aufzunehmen und weiterzuführen. Je mehr wir darüber sprechen, desto mehr erfahren davon!