28.04.21

Leiter der PBS im Ruhestand

Der Leiter der psychologischen Beratungsstelle geht Ende April in den Ruhestand. Am Dienstag wurde er von seinen Aufgaben entpflichtet und bei einem kleinen Gottesdienst verabschiedet.

Dr. Katzenberger in den Ruhestand verabschiedet

Bei einem Gottesdienst unter Teilnahme der acht Mitgliedes des Beratungstellenausschusses hat Pfarrerin Angelika Volkmann in der Abschiedspredigt vom Aufbruch in ein neues, unbekanntes Land gesprochen. Mit der Geschichte vom Abraham verglich sie die bevorstehende neue Lebensphase und wünschte dem scheidenden Leiter der Psychologischen Beratungsstelle Dr. Peter Katzenberger Zuversicht und Gottes Geleit. Dekanin Elisabeth Hege entpflichtete den Psychologen von seinen Aufgaben und verabschiedete ihn mit einem Segen.

Im Anschluss an den Gottesdienst sprach Katzenberger rückblickend über die Zeit als Leiter an der Psychologischen Beratungsstelle Brückenstraße. Diese ist in Trägerschaft des Ev. Kirchenbezirks Tübingen und der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Acht Jahre, die von großen Veränderungen geprägt waren verglich er mit der Aufgabe eines Stocherers, der die Menschen und den Weg im Blick behalten und die Verantwortung tragen müsse. Doch bei seinem Beginn im Jahr 2013 sei es ihm nicht klar gewesen, was alles auf ihn zukommen würde. Ein Generationenwechsel stand an, nur noch drei Berater*innen vom Anfang seien an Bord. Wechsel bedeute, alle Kräfte zu stärken und den „Neuen“ jegliche Unterstützung angedeihen zu lassen, betont Katzenberger. Doch frischer Wind, und anfangs blies er selbst heftig mit, habe den Vorteil prüfen zu können, was neu strukturiert und verändert werden muss.

Neben den internen Veränderungen sei von außen die Neustrukturierung der Hilfen zur Erziehung des Landkreises Tübingen dazugekommen. Das Ziel der sogenannten „Beratungsoffensive“ war den Anteil von Beratung im Gefüge der erzieherischen Hilfen zu erhöhen. Die Vielfalt von Trägern unterschiedlicher Wertorientierungen sei vom Gesetzgeber gewollt und im Landkreis Tübingen eine gelebte Praxis. In diesen Entwicklungsprozess und die damit verbundene Fortschreibung der Kooperationsvereinbarung sei der Psychologe von Anfang an eingebunden. Die Refinanzierung einer weiteren halben Stelle durch den Landkreis sei ein Erfolg.

Mit Hilfe dieser Stellenerweiterung konnte die Präsenz der Psychologischen Beratungsstelle in Rottenburg an einem neuen Standort in der Marktgasse 14 ausgebaut werden. Dieses wohnortnahe und niedrigschwellige Angebot würde sehr gut angenommen, betont Peter Katzenberger. Ein neues Leit- und Erscheinungsbild, sichtbar im neuen Logo und im Relaunch des Internetsauftrittes, rundeten den Veränderungsprozesses ab.

Die Beratungsstelle Brückenstraße feierte Ende 2016 ihr 50-jähriges Jubiläum mit einem Festvortrag des Theologen Christoph Hutter. Dieser siedelte - wie Katzenberger selbst - die Psychologische Beratung im Dreieck von Seelsorge, Psychotherapie und Jugendhilfe an. In diesem Jahr wird die Beratungsstelle 55 Jahre alt und Katzenberger ist sich sicher: „Wir werden in Zukunft noch mehr angefragt werden.“ Dies habe viel mit der Verunsicherung und den Herausforderungen durch die Corona-Pandemie zu tun. Das Team konnte sich mittels der digitalen Ausstattung gut auf die neuen Beratungsformate, z.B. auf die Videoberatung, einstellen. „Aber es ist natürlich nicht das gleiche, wie Face-to-Face-Kontakte“, betont der 65-jährige.

Im März stand ein Umzug von der Brückenstraße in die Gartenstraße 26 an. Ein Jahr befinden sich die Beratungsräume im Ausweichquartier, bevor die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in das sanierte Haus in der Brückenstraße zurückkehren werden. „Aber das muss ich nicht mehr zu Ende bringen“, sagte Katzenberger. Es klingt ein wenig erleichtert.

Es folgten wertschätzende und dankbare Gruß- und Abschiedsorte der Anwesenden.

Dekanin Elisabeth Hege erinnerte sich an den schwierigen Anfang und drückte ihre Dankbarkeit aus für das unermüdliche Engagement, die Leidenschaft und Kompetenz von Katzenberger. „Sie haben hier wegweisend gewirkt und die Weichen für die Zukunft gestellt“, betonte die Dekanin.

Dekan Dr. Thomas Begovic zitierte die Worte aus dem Buch Prediger: „Alles hat seine Zeit“. Er hob die Freundlichkeit und Flexibilität des Leiters hervor, betonte seine Kontakt- und Teamfähigkeit, sowohl nach innen als auch nach außen. Für die kommende Zeit wünschte er ihm Zeit für Träume und für die Enkel.

Susanne Bakaus, Leiterin der Landesstelle der Psychologischen Beratungsstellen ließ es sich nicht nehmen, persönlich zum Abschiedsgottesdienst zu kommen. Sie sehe in Katzenberger ein Vorbild eines klugen Menschen, der Ambivalenzen gut meistern, kritisch diskutieren und seine Entscheidungen hinterfragen kann. Sie schätze ihn als Kollegen, der eine große Ruhe ausstrahle.

Katzenbergers Stellvertreterin Stefanie Großguth dankte ihm für die vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit „Es endet so, wie es wohl damals begonnen hat“ sagte sie und zählte die Herausforderungen der letzten Monate: Pandemie, Digitalisierung, Luftfilter, Desinfektionsmittel und die Sorge Katzenbergers, dass bei laufendem Betrieb alle gesund blieben. Und das sei ihm gelungen.

Gesegnet, erfüllt und erleichtert, das sei das Gefühl, das er gerade empfinde, sagte Katzenberger zum Schluss. Dankbar und zufrieden schaue er auf die vergangenen Jahre zurück. Die große Arbeitsbelastung sei auch durch die Unterstützung seiner Frau, die ihn an diesem Tag begleitete, und durch kleinere und größere Auszeiten möglich gewesen. Nun freue er sich auf mehr Zeit für seine 3 Enkelkinder, für Sport, Tanz und Reisen. Und das Projekt www.bistroglobal.de, das er mit seiner Frau begonnen habe, erfordere sein verstärktes Mitwirken.

Zu Dr. Katzenberger selbst: Geboren im Jahr 1955 in Neuwied am Rhein verbrachte er seine Schulzeit in Unterfranken und Schwäbisch Gmünd. Den zweijährigen Zivildienst absolvierte er bei der Diakonie Stetten. In Tübingen hat er Psychologie, Erziehungs- und empirische Kulturwissenschaften studiert und im Jahr 1985 im Fach pädagogische Psychologie promoviert. Seine erste Stelle war in der Johannes-Diakonie in Mosbach, ab Juli 1987 arbeitete er als Schulpsychologe am Ev. Mörike Gymnasium in Stuttgart. Nach 27 Jahren kehrte er beruflich wieder nach Tübingen zurück und leitete bis zum Eintritt in den Ruhestand die Psychologische Beratungsstelle Brückenstraße.

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