28.09.19

Gott, ein Esel

Ein Impuls von Matthias Wagner, Pfarrer in Talheim.

Philipp sitzt in der Küche, trinkt ein Bier. Er kann nicht mehr.

Am Morgen hat er stundenlang mit seinem Sohn diskutiert über die Klimakrise. Wie sie klimaneutral leben könnten. Ob das überhaupt was hilft. Der Junge hat ja recht, aber so einfach ist es nicht. Jetzt ist er weg, Climate Week.

Seine Frau ist auch weg, Nachtschicht im Krankenhaus. Bevor sie ging, hat Philipp ihr noch alle seine Sorgen vor die Füße geworfen.

Nicht nur die Klimakrise. Gestern erst hat seine Ärztin ihn eindringlich gemahnt, kürzer zu treten, so könne es nicht weitergehen. Aber was soll er machen? Seit der neue Abteilungsleiter da ist, wird es immer schwieriger. Philipp weiß, er steht auf der Abschussliste. Aber er kämpft, mit aller Kraft. Kraft! Wie lange die noch reicht? Dabei braucht er sie auch für seine Mutter. Sie kommt allein nicht mehr klar. Er muss dringend nach einem Platz im Pflegeheim suchen. Wann denn, wie denn? Und wie wird sich das finanziell auswirken?

Dann hat der Rasenmäher den Geist aufgegeben. Da ist ihm der Kragen geplatzt, dabei wollte er das doch gar nicht. Er hat seinen ganzen Frust abgeladen, alles seiner Frau an den Latz geknallt. Wortlos ist sie gegangen.

Philipp ging ins Bett. Wollte nur noch schlafen. Aber er konnte nicht. Sein Pfarrer hat erzählt, dass er sich dann Bibelverse in alphabethischer Reihenfolge überlegt. Philipp hat lieber versucht, das ABC mit Automarken zu buchstabieren. Und danach ganz klassisch Schäfchen gezählt. Hat alles nicht geholfen. Irgendwann ist er wieder aufgestanden.

Jetzt sitzt er am Küchentisch, blättert in der Zeitung. Noch mehr Sorgen. Gibt es nichts anderes mehr? Das Wort zum Sonntag: Alle eure Sorgen werft auf ihn. Hat Philipp gemacht bei seiner Frau. War nicht gut. Ah, das heißt nicht, Gott die Sorgen vor die Füße zu werfen, sondern sie ihm aufzuwerfen wie einem Packesel. Gott, ein Esel?

Die Sorgen aufgeben als Paket, vom Sofa aus online verfolgen, wohin die Reise geht, das hätte was. Aber ein Lastesel ist kein Paketdienst. Der geht nicht allein, der geht mit. Er geht mit auf dem Lebensweg. Krankheit, Klimakrise, Probleme in Beruf und Familie, alles noch da. Aber die Sorgen trägt jetzt Gott, der Packesel. Das macht es leichter, macht die Hände frei, gibt Kraft.

Und beruhigt. Philipp trinkt den letzten Schluck, geht wieder ins Bett. Danke, dass du mitgehst, denkt er, dass du meine Sorgen trägst, Gott, mein Esel.