31.08.19

Wort zum Ausnahmetag

Ein Impuls von Cordula Modrack, Pfarrerin in Kirchentellinsfurt.

„Ach, könnte man doch etwas von der Urlaubsstimmung mit in den Alltagstrott nehmen!“ Am letzten Urlaubstag muss sich mein Gegenüber an den Gedanken gewöhnen, dass bald wieder das übliche Hamsterrad in Gang kommen wird.

Ich denke an eine Religionsstunde in der sechsten Klasse. Der Arbeitsauftrag lautet: Stell dir vor, du bekommst einen Tag geschenkt, der dir richtig guttun soll. Wie sieht dieser Tag aus? Womit verbringst du wieviel Zeit? Welche Menschen siehst du, welche nicht? An welchen Orten hältst du dich auf? Was lässt du an diesem Tag sein? Notiere fünf bis zehn Gedanken dazu!
Nichts leichter als das – schnell füllen sich die Seiten mit Wünschen.
Danach behauptet die Lehrerin, es gäbe einen solchen Tag – jede Woche.
Vermutlich meint sie einen der Wochenendtagen, rätseln die Schüler*innen, da müssen wir immerhin nicht zur Schule. Samstag? Sonntag? Nach einer Weile einigen sie sich auf Sonntag, denn da haben auch die Geschäfte geschlossen und schließlich ist die Lehrerin ja Pfarrerin.
Recht haben sie, die Lehrerin zitiert nun aus dem Grundgesetz. Sie sagt etwas von Arbeitsruhe und Tag der seelischen Erhebung, dazu sei der Sonntag gesetzlich geschützt.
In der Klasse regt sich aber Widerspruch: Am Sonntag muss ich lernen – und ich soll voll oft das Bad putzen – mein Vater geht sonntags aber auch arbeiten – am Sonntag ist der Montag viel zu nah…

So prallt die Wirklichkeit auf den Wunsch, den Sonntag als Ausnahmetag zu erleben, der einem jede Woche geschenkt wird.

Geht das nicht auch anders? Könnten wir nicht versuchen, den Alltagstrott sonntags zu unterbrechen und ein bisschen Urlaubsstimmung herbei zu führen? In der Klasse wird nun engagiert diskutiert: Manche Tätigkeiten sind definitiv unverzichtbar an einem Sonntag, denken wir nur an eine Notärztin. Wie aber steht es um Hausarbeit, die Steuererklärung und Onlineshopping? Vor allem: was können wir selbst dafür tun, dass der Sonntag für uns ein Ausnahmetag ist, der uns guttut? Am prominenten Vorbild mangelt es nicht: Gott selbst beschloss, sich am siebten Tag der Schöpfung zu erholen.

Auf Post-its notieren die Schüler*innen ein, zwei Dinge, die sie sich für den nächsten Sonntag wünschen. Zu Hause kleben sie diese an einen gut sichtbaren Ort. Und sind gespannt auf den nächsten Sonntag, den Ausnahmetag – der bestimmt auch mal an einem anderen Wochentag stattfinden kann.